• vom 31.08.2018, 06:00 Uhr

Autoren


Religion

Ein Tweet von der Kanzel




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





Ganz analog geht es derweil bei Glööckler weiter. Auf rund 200 Seiten gibt sich der "Prince of Pompöös" betont seriös, auch als er von seinem gewalttätigen Vater und einem pädophilen "netten Onkel" erzählt, der ihn als Fünfjährigen begrapschte. Beides hat nicht direkt mit der Kirche zu tun, festigt aber seine Position als Kommentator der Missbrauchsskandale. Und zur Frage, warum all die Opfer sich mit ihren Anklagen so lange Zeit lassen, erklärt er, dass auch er selbst die unsittlichen Berührungen 27 Jahre lang verdrängt habe und erst weitere 20 Jahre später offen darüber sprechen könne. Glööckler findet klare Worte in Bezug auf Vertuschungen: "Ein Priester, der sexuelle Gewalt und missbräuchliche Handlungen begangen hat, wird immer zuerst als Gefahrenquelle für das System Kirche angesehen - und nicht als Gefahr für weitere potenzielle Opfer."

Als bekennender Homosexueller hat Glööckler auch eine besondere Beziehung zur Sexualmoral der katholischen Kirche, mit der er sich kritisch auseinandersetzt. Er fordert dezidiert, dass sich die Kirche "entschuldigt für alle Verfehlungen und üblen Dinge, die in ihrem Namen geschehen sind". Und sie solle auch "aufhören, über Gott zu reden, als wüsste sie ganz genau, wer und wie er ist" - oder sie, denn wer weiß, vielleicht ist Gott ja eine Frau? Womit er beim Leib- und Magenthema der verhinderten Priesterin Straub angelangt ist, die sich allerdings diesmal voll auf die Jugend konzentriert.

Hier mehr Kritik, da mehr konkrete Anregungen

Während Glööckler der Kirche vor allem den Spiegel vorhält - nach dem Motto: Wer seine Fehler kennt, kann sich leichter bessern -, überwiegen bei Straub die Verbesserungsvorschläge gegenüber der Kritik. Und sie führt auch mehrere Beispiele dafür an, wo und wie Kirche gut läuft, seien es Metal-Messen in Wacken oder die Jugendkirche in Wien. Manches davon klingt sogar sehr simpel - man müsste es nur umsetzen.

Etwas mehr Konkretisierung würde man sich bei Glööckler wünschen. Sein Schlussappell gerät etwas gar allgemein: mehr Mut zur Offenheit und Hilfe für Gestrauchelte statt Kritik und Vorschriften. "Machen Sie die Türen Ihrer Kirche und Ihres Herzens weit auf!" So authentisch und sympathisch sein Glaubenszeugnis auch ist, so wenig hat man am Ende in der Hand, was man sich für die eigene Pfarrgemeinde mitnehmen kann.

zurück zu Seite 1




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-30 10:05:54
Letzte Änderung am 2018-08-30 13:27:03


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. 2063
  2. Worin Stephan Schulmeister irrt
  3. Dann bitte lieber doch Tom Turbo
Meistkommentiert
  1. Peinlicher Abklatsch
  2. Waren, die an Wert gewinnen
  3. Worin Stephan Schulmeister irrt

Werbung





Werbung