• vom 14.09.2018, 16:45 Uhr

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Update: 14.09.2018, 18:24 Uhr

Interview

Wolf Haas und seine Lust an der Langeweile




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Von Christina Böck

  • Schriftsteller Wolf Haas über seine Kindheit im Salzburger Bergdorf, lange Haare und Mangel an Moderne.



"Als Teenager ist man noch nicht zurechtgestutzt von Erfahrungen", weiß Wolf Haas.

"Als Teenager ist man noch nicht zurechtgestutzt von Erfahrungen", weiß Wolf Haas.© Robert Newald "Als Teenager ist man noch nicht zurechtgestutzt von Erfahrungen", weiß Wolf Haas.© Robert Newald

Ein "Junger Mann" von 13 Jahren steht im Mittelpunkt von Wolf Haas’ neuem, gleichnamigen Roman. Der verliebt sich mitten in den bunten 70ern zum ersten Mal und begibt sich mit einem furchteinflößenden Fernfahrer auf eine absurde Reise nach Thessaloniki. Es ist Haas’ drittes Buch, in dem der berühmte kaputte Ermittler Brenner keine Rolle spielt. Die "Wiener Zeitung" traf den Autor zum Interview über Teenagerscham, schmutzige Wildheit und Ede Zimmermann.

"Wiener Zeitung": Wie viel Autobiografisches steckt in diesem "Jungen Mann"?

Information

Wolf Haas: "Junger Mann"

(Hoffmann & Campe)

Wolf Haas: Schon sehr viel, ich war wirklich immer Tankwart in den Schulferien, habe wirklich mal sehr viel abgenommen, war wirklich ein sehr dicker Wuzel. Manches Reale habe ich auch wieder gestrichen. Manchmal wirkt ja das Wahre erfunden.

Der Roman evoziert eine 70er-Jahre-Nostalgie.

Eigentlich habe ich versucht, diese Nostalgie rauszuhalten. Das kann dann auch eine selbstgefällige Sentimentalität werden. Ich finde, das grassiert ohnehin in unserer Gesellschaft, dass man schon mit 30 sentimental auf seine Jugend zurückblickt. An sich gilt meine Nostalgie nicht dieser Zeit, das Lebensgefühl des 13-Jährigen hat mich fasziniert. Es gibt so ein kollektives Stereotyp, dass man sagt, die Pubertät ist so eine schreckliche Zeit. Aber eigentlich ist es auch eine Zeit voll interessanten Wahnsinns, weil man lebt ja in Träumen. Dann ist es auch so, dass ich nicht nur in den 70er Jahren 13 war, sondern auch in einem kleinen Dorf in den Bergen, dort war wenig los, dort hat nicht der Bär gesteppt. Und wenn’s langweilig wird, tendiert man auch dazu, sich Geschichten auszudenken. Mich hat dieser Glaube an das Ich, an die Machbarkeit des Lebens interessiert, dass man noch so blauäugig in die Zukunft blickt, man ist noch nicht so zurechtgestutzt worden von Erfahrungen.

Was macht Sie selbst nostalgisch?

Ich neige nicht sehr zur Nostalgie. Ich war zehn Jahre alt in dem Jahr, als sich die Beatles aufgelöst haben, das war schon noch diese Flowerpower-Hippie-Zeit. Wenn ich heute sehe, es gibt ein Wiesnfest im Prater und die Leute gehen in Dirndl und Lederhose herum, da hab ich schon einen gewissen Frust, dass es diesen Backlash gibt. Damals hat man geglaubt, dass die Moderne sich straight weiter in diese Richtung entwickelt, und das ist natürlich nicht der Fall gewesen.

Im Roman wird noch die Zeitansage telefonisch konsultiert, auch so eine verschwindende Autorität...

Ja, und überhaupt war da das Telefon noch ein Gewinn, heute ist es nur mehr eine Belastung. In meiner Kindheit hat nicht einmal jeder eines gehabt, man ist zur Telefonzelle gegangen oder zum Nachbarn...




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-14 16:54:09
Letzte Änderung am 2018-09-14 18:24:37


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