Stimme der Verletzten: Delphine de Vigan. - © Delphine Jouandeau

Literatur

Abgründe und Loyalitätskonflikte4

  • Die französische Schriftstellerin Delphine de Vigan schreibt leise, vielschichtig und eindringlich.

"Anfangs, als Théo noch zu klein war, um allein den Aufzug zu nehmen, kam sein Vater nach unten und erwartete ihn auf der anderen Seite der Glastür. Seine Eltern begegneten sich nicht, sie sahen sich nicht an, jeder blieb auf seiner Seite der gläsernen Grenze. Als wäre er eine gegen eine unbekannte Ware ausgetauschte Geisel... weiter





Lyrik erlesen

Unvergessliche Wunderwelten1

Preise für deutschsprachige Literatur gibt es reichlich, und auch die Lyrik kann über einen Mangel an teils recht gut dotierten Auszeichnungen nicht klagen. Insofern wäre es nicht weiter erwähnenswert, dass es 2019 erstmals einen Gertrud Kolmar Preis geben soll, verliehen von Fixpoetry, einer Plattform für Literatur im Internet... weiter




Adriana Altaras: "Es gibt nichts Schöneres als Musik." - © gene_glover

Literatur

Eine Vergangenheit, die nicht vergeht

  • Adriana Altaras stellt in "Die jüdische Souffleuse" einmal mehr die Romantauglichkeit ihres Lebens unter Beweis.

Adriana Altaras besitzt die besondere Gabe, das Lustige im Tragischen zu wittern und Schwierigkeiten mit Leichtsinn zu kontern. Schon in ihrem 2012 erschienenen Debüt "Titos Brille", das sie schlagartig bekannt machte, erzählte sie von den Verheerungen des 20. Jahrhunderts, ohne dabei die absurden Seiten des Lebens außer Acht zu lassen... weiter




Literatur

Mut und Anstand

  • "Versteckte Jahre": Anna Goldenbergs Geschichte einer Rettung.

Das Haarsträubende dessen, was sich in Österreich zwischen März 1938 und Mai 1945 abspielte, wird man nie ganz verdauen und unter "Geschichte" ablegen können, wie die Zeiten davor oder danach. Das wird nicht zuletzt von Berichten unterstrichen, in denen etwas gerade noch einmal gut ausgegangen ist, wie es bei dem vorliegenden Band der Fall ist... weiter




Demontiert lustvoll kursierende Deutungen und Gewissheiten: Peter Sloterdijk. - © ullstein bild/Brill

Literatur

Der multiple Denkspieler Peter Sloterdijk4

  • Zwei Neuerscheinungen eignen sich gut zur Einführung in das Werk des wendigen - und trendigen - Philosophen.

Im Jahr 2012 veröffentlichte Peter Sloterdijk eine locker gereihte Sammlung aus Alltagsbeobachtungen, Reflexionen und Aphorismen. Er gab ihr den Titel "Zeilen und Tage" und teilte in seinem Vorwort mit: "Weitere Editionen von Notizbüchern sind nicht vorgesehen." Das Nicht-Vorgesehene ist nun eingetreten, "Neue Zeilen und Tage" sind erschienen... weiter




Autor von Krimis, Drehbüchern, Theaterstücken und Lyrik: Friedrich Ani. - © dpa/picturedesk.com/Uwe Zucchi

Literatur

Ohne Schockmomente1

  • Der deutsche Schriftsteller Friedrich Ani legt mit seinem neuen Roman ein kleines Meisterwerk vor.

Friedrich Ani, Jg. 1959, wohnhaft in München, über dessen Bücher wir an dieser Stelle schon einige Male berichtet haben, ist vor allem als Krimiautor bekannt geworden, was seinen spezifischen Talenten aber nur bedingt gerecht wird. Ani konnte schon immer mehr; er hat Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke geschrieben... weiter




Schreiben als rettender Anker: Merethe Lindstrøm. - © Johannes Jansson

Literatur

Genetischer Code für Unruhe3

  • Die norwegische Schriftstellerin Merethe Lindstrøm betreibt eine Selbsterkundung von beklemmender Radikalität.

Eigentlich, so dachte man, sind die Finnen die Schwermutsnation im europäischen Norden. Bei Finnland denkt unsereiner sogleich an einsame Wälder und dunkel-kalte Winter, an die traurigkeitsdurchflorten Filme von Aki Kaurismäki, an melancholische Tangoklänge - kein Wunder, dass in diesem Land nicht einmal die Sprache ein Futur kennt... weiter




Michel Houellebecq: "Muss man wirklich so deutlich werden?" - Antwort: "Offenbar ja" - © Thierry Ehrmann

Literatur

Auf den Spuren von Thomas Bernhard66

  • Michel Houellebecq hat mit "Serotonin" einen großen Roman über die Liebe im 21. Jahrhundert geschrieben.

Wenn Michel Houellebecq ein Buch "Serotonin" nennt, glaubt man zu wissen, was einen erwartet. Doch schnell stellt man fest: weit gefehlt. Denn die erste Überraschung ist der Stil. Houellebecq schreibt in seinem neuen Roman Sätze, die endlos, chaotisch, erschütternd wirken - und die vermuten lassen, er habe zwischen seinem letzten Roman... weiter




Autobiographie

Von Willi zu Kurti7

  • Willi Resetarits erzählt bewährt schwungvoll aus seinem Leben.

Die Ehrungen und medialen Auftritte zum 70. Geburtstag von Willi Resetarits Ende Dezember 2018 waren - vorsichtig ausgedrückt - kaum überschaubar, aber das ist nur würdig und recht. Das Ganze gipfelte Anfang Jänner in zwei jeweils vierstündigen Konzerten in der Wiener Stadthalle (F), in denen das Moderatoren-Genie und musikalische Chamäleon W. R... weiter




Kein guter Briefeschreiber: Elias Canetti. - © ullstein bild - B. Friedrich

Literatur

Stets per "Sie"2

  • Ein Band mit Briefen von Elias Canetti verrät nicht viel von dem Nobelpreisträger, da die Korrespondenz fast immer belanglos verläuft.

Er, einer der größten Autoren des 20. Jahrhunderts, sagt es selber: "Ich bin, wie die meisten Schriftsteller, ein schlechter Briefschreiber." Leider stimmt das. So-viel Mühen Elias Canetti an sein schmales Werk auch gewendet hat, das Verfassen von Briefen war für ihn eine rein utilitaristische Tätigkeit... weiter




zurück zu Literatur


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Takis Würger: "Literatur muss gar nichts"
  2. rätsel
  3. Abgründe und Loyalitätskonflikte
Meistkommentiert
  1. Roman unter Wahrheitspflicht
  2. rätsel
  3. Fiktion, Wahrheit und ein Preis

Werbung