• vom 30.11.2018, 16:14 Uhr

Bücher aktuell

Update: 30.11.2018, 16:42 Uhr

Sachbuch

Kein freier Wille




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Maren Landwehr

  • Über die Bedrohung durch Social Media.

Social Media macht abhängig, asozial und aggressiv: Davon ist Jaron Lanier überzeugt und erklärt die Details in "Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst" informativ und unterhaltsam. Seine Erkenntnisse und Einschätzungen beruhen auf vielfältigen Berufserfahrungen in der virtuellen Welt.

Der 1960 geborene Lanier ist Internetpionier der ersten Stunde. Durch seine Entwicklungen gilt er als Vater des Begriffs der "virtuellen Realität". Er forschte im Silikon Valley und lehrte an der Columbia, in Yale und Berkeley. Heute arbeitet er als Forscher für Microsoft und erhielt 2014 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Information

Sachbuch

Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst

Hoffmann und Campe

208 Seiten, 14 Euro.

In seinem Buch widmet er sich der Bedrohung durch Social Media und erläutert in zehn Punkten, was das virtuelle Gefangensein mit den Menschen macht. Beginnend mit "Du verlierst deinen freien Willen" beschreibt er die Sucht, in der sich Nutzer befinden. Die Spionage der persönlichen Daten störe sie nicht, so Lanier, weil die Abhängigkeit von den sozialen Medien bereits so groß sei, dass die Überwachung hingenommen wird.

Diese Manipulation des Bewusstseins verhindere die individuelle Freiheit, die sich durch eigenes Denken und Reflektieren auszeichne. Hinzu komme, dass Social Media die Wahrheit untergräbt (Grund 4): Viele Empfehlungen stammen nicht von realen Menschen, sondern von Fake-Konten oder Programmen. Deren Beeinflussung zeigt er anhand der jüngsten US-Wahl oder anderen politischen Ereignissen: Denn wer verbreitet bestimmte Meinungen zu welchem Zweck? Wer schürt Ängste und Hass? Lanier ist überzeugt, dass Social Media die Politik unmöglich macht (Grund 9).

Er belegt seine Thesen mit Erfahrungen, Studien anderer Autoren und fasst auch die technischen Entwicklungen gut zusammen. Gleichzeitig gibt er tiefere Einblicke in die virtuelle Welt und widmet sich auch der sozialen Bedeutung. Er führt aus, dass Social Media das Mitgefühl tötet und unglücklich macht (Grund 6 und 7), weil sich die Nutzer bewerten lassen und von anderen abhängig machen. Hinzu komme die Bedeutungslosigkeit des eigenen Gesagten, weil das Posten in der virtuellen Welt keine Kommunikation und damit auch kein soziales Miteinander ermöglichen.

Diese Entwicklung gelte es aufzuhalten. Seiner logischen Konsequenz, die Accounts zu löschen, folgen Tipps für ein Leben ohne Social Media. Der Gewinn dabei: "Man nimmt sein eigenes Leben wieder in die Hand".





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-30 16:25:32
Letzte Änderung am 2018-11-30 16:42:14


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Das mörderische Internet der Dinge
  2. Kurz ist gut
  3. Magische Jagd im Untergrund
Meistkommentiert
  1. Lieber ein Gutmensch als ein "Schlechtmensch"
  2. Das mörderische Internet der Dinge

Werbung




Werbung