• vom 05.01.2019, 09:30 Uhr

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Ehegeschichten und Coming-of-Age-Dramen




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Von Shirin Sojitrawalla

  • Die deutsche Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange und ihr Familienroman "Kampfsterne".

Alexa Hennig von Lange, Jahrgang 1973, zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen ihrer Generation. - © ullstein bild - Schleyer

Alexa Hennig von Lange, Jahrgang 1973, zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen ihrer Generation. © ullstein bild - Schleyer

Dass das Ganze um das Jahr 1985 spielt, merkt man daran, dass Smartphones noch Science-Fiction waren und natürlich auch, weil auf Seite 62 davon die Rede ist, dass Boris Becker neulich in Wimbledon triumphierte. Die Achtziger Jahre also, verschrien als das langweiligste Jahrzehnt der Bundesrepublik Deutschland, bilden den Hintergrund für diesen Familienroman, der sich so oder so ähnlich auch heute noch abspielen könnte, wenn auch digital gewiefter - und mit einer weiblichen deutschen Wimbledonsiegerin.



Zeitgeistiger Sound

Information

Alexa Hennig von Lange
Kampfsterne

Roman. Dumont Verlag, Köln 2018, 224 Seiten, 20,60 Euro.

Die zeitliche Rahmung, auf die sich die Umschlagsprosa des Verlags viel einbildet, ist es also nicht, die den Roman "Kampfsterne" heraushebt aus der Masse der Neuerscheinungen. Alexa Hennig von Lange, geboren 1973, gehört seit dem Erscheinen ihres ersten Romans "Relax" im Jahr 1997 zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen ihrer Generation. Seitdem hat sie viele Jugendbücher, aber auch Romane für Erwachsene, Erzählungen und Theaterstücke geschrieben. Ihr letzter Roman, "Peace", erschien 2009, vor zwei Jahren dann sorgte ihr gemeinsam mit ihrem Mann verfasstes Buch "Stresst ihr noch oder liebt ihr schon?: Warum Familie nicht das Problem ist, sondern die Lösung" für Gesprächsstoff.

In ihren Büchern gelingt es Hennig von Lange immer wieder, mit ihrem Sound den Zeitgeist zu treffen. Im neuen Roman "Kampfsterne" beäugt sie das Familienleben in einer scheinbar normalen westdeutschen Siedlung. Im Mittelpunkt stehen Mütter und Väter, die wahlweise befreundet sind oder sich nicht mögen oder beides, sowie deren Kinder.

Rita und Ulla scheinen Freundinnen zu sein, oder was sie dafür halten, jedenfalls beneidet Rita Ulla um alles, ganz besonders um ihre hübschen und begabten Kinder. Sie selbst indes hadert ausführlich mit ihrem fehlgeleiteten Leben. Sie ist Hausfrau und Mutter - und einigermaßen verzweifelt ist sie auch. Deshalb ärgert sie sich über jeden und alles, aber am meisten über sich selbst und ihre mangelnden Superweib-Qualitäten. Ihre Ehe mit Georg, der sich lieber um seinen kranken Bruder als um seine überspannte Frau kümmert, besteht nur noch auf dem Papier.

Rita ist eine klassische despe-rate housewife. Zu oft hat man solche gesehen oder von ihnen gelesen, wenn ihre Nöte nicht gar erlebt, dass ihr Schicksal einen in der Literatur noch groß begeistern würde. Um das zu ändern, müsste es stilistisch mehr herausragen, was Alexa Hennig von Lange eher ab und zu gelingt, dann aber bekommt das Geplapper richtiggehend Schärfe. Das von ihr angewendete Erzählverfahren sorgt zudem für Abwechslung. Denn alle Mitglieder der drei Familien kommen einzeln zu Wort: Männer und Frauen, Kinder und Erwachsene. Die zumeist kurzen Kapitel sind mit den Namen der jeweiligen Ich-Erzähler überschrieben. Höchstens ein paar Seiten lang kommen die Figuren zu Wort, manchmal auch nur mit einem Satz, danach springt der Text schon wieder zu einer anderen Figur. Langweilig muss einem beim Lesen nicht werden, zumal Hennig von Lange sich für das Präsens entscheidet, womit das Ganze einen schönen Drive erhält.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-04 14:35:17
Letzte Änderung am 2019-01-04 15:39:11


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