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Update: 04.01.2019, 16:34 Uhr

Sachbuch

Syrien, Symptom einer Welt-Unordnung




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Von Markus Schauta

  • Kristin Helberg analysiert in ihrem jüngsten Buch den Syrien-Krieg.

Zerstörte Kirche in Tel Nasri, Syrien.

Zerstörte Kirche in Tel Nasri, Syrien.© APAweb, Reuters, Rodi Said Zerstörte Kirche in Tel Nasri, Syrien.© APAweb, Reuters, Rodi Said

Kristin Helbergs Buch "Der Syrien-Krieg. Lösung eines Weltkonflikts" bringt eine neue Perspektive auf den seit sieben Jahren andauernden Konflikt. Helberg, die von 2001 bis 2008 als Korrespondentin in Damaskus lebte, skizziert nicht nur die Gründe für die Revolution und ihr letztendliches Scheitern. Sie beleuchtet ebenso die Interessen der regionalen und internationalen Player, die mit ihrem Tun und Lassen den Brennstoff für die syrische Katastrophe lieferten. Dabei ist Syrien mehr als ein innerstaatlicher Konflikt, der aus dem Ruder gelaufen ist. Syrien ist Symptom einer neuen Welt-Unordnung, so Helberg: "Alles, was in Syrien passiert oder nicht klappt, wird zur globalen Tendenz."

Milizen, finanziert von Staaten und Privaten, ersetzen reguläre Armeen. Alte Bündnisse bröckeln. Nato-Partner Türkei und USA verfolgen in Nordsyrien unterschiedliche Interessen. Des einen Terroristen sind des anderen Verbündete. Auch die internationalen Strukturen gehen aus dem Syrienkrieg geschwächt hervor.

Information

Sachbuch

Der Syrien-Krieg.
Lösung eines Weltkonfliktes

Kristin Helberg, Herder 2018,

256 Seiten, 22,70 Euro

Erfüllen die Vereinten Nationen noch ihren Zweck?

Was ist die Genfer Konvention noch wert, wenn in Syrien das Regime unterstützt von Russland ungestraft Hospitäler bombardieren kann? Was tut die UN, wenn ganze Städte ausgehungert werden? Der Glaube an die Wirksamkeit von Konventionen und Institutionen schwindet. Was übrig bleibt, wird von jenen in Frage gestellt, die mitverantwortlich für deren Niedergang sind: Anfang Dezember fragt US-Außenminister Mike Pompeo in seiner Rede in Brüssel, ob die Vereinten Nationen ihren Zweck noch erfüllen würden. Eine Absage an den Multilateralismus, der die Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute prägte.

Weltweit werden Staats- und Gesellschaftsmodelle neu verhandelt. Die liberale Demokratie mit ihrer Rechtsstaatlichkeit wird angefochten. Autokraten zwischen Moskau, Istanbul und Washington gewinnen neu an Strahlkraft. Wo die Europäische Union bei verbalen Stellungnahmen und Sanktionen verharrte, hat Russlands Präsident Putin eine scheinbare Lösung in Syrien herbeigebombt.

Ob Kristin Helbergs Antworten auf eine heraufdämmernde Welt-Unordnung zutreffend erscheinen, mag jeder Leser selbst entscheiden. Jene Fragen aber, die sie aufwirft, werden uns in Zukunft sicher noch beschäftigen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-04 16:26:12
Letzte Änderung am 2019-01-04 16:34:29


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