• vom 25.02.2011, 13:30 Uhr

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Update: 25.02.2011, 13:35 Uhr

Literarisches Buch

Rabinowich, Julya: Herznovelle




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Von Andreas Wirthensohn

  • Überstrapaziertes Epizentrum
  • Hommage an Arthur Schnitzler und wunderbares literarisches Kabinettstück: "Herznovelle" von Julya Rabinowich.

Julya Rabinowich. Foto: Marko Lipus

Julya Rabinowich. Foto: Marko Lipus Julya Rabinowich. Foto: Marko Lipus

Das zweite Buch ist bekanntlich immer das schwerste, besonders dann, wenn das Debüt bemerkenswert erfolgreich war. Für ihren Roman "Spaltkopf", 2008 in der kleinen Wiener "edition exil" erschienen, bekam Julya Rabinowich den Rauriser Literaturpreis, der die beste Prosa-Erstveröffentlichung auszeichnet.

Doch die 1970 in St. Petersburg geborene und seit 1977 in Wien lebende Autorin verschob den Druck klugerweise ein Stück nach hinten: "Nein, ich würde mich erst beim dritten Buch furchtbar unter Druck gesetzt fühlen. Beim zweiten noch nicht, weil ich noch nicht einmal realisiert habe, dass das erste geschrieben ist. Ich bin noch entspannt. Wenn das zweite absehbar fertig sein wird, werde ich Krämpfe bekommen", sagte sie 2009 im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


Nun ist es also erschienen, das zweite Buch. Und Julya Rabinowich hat so ziemlich alles richtig gemacht. Vor allem hat sie bewusst eine ganz andere Richtung eingeschlagen: weg vom Autobiografischen, weg vom Thema Migration, die den Debütroman bestimmten. In die Schublade "Migrantenliteratur" einsortiert zu werden, war ihr ohnehin stets ein Gräuel; sie empfindet diese Kategorisierung sogar als "geradezu rassistisch", weil sie ihrer Ansicht nach vor allem abschätzig verwendet wird. Wobei allerdings nicht auszuschließen ist, dass es sich mitunter auch umgekehrt verhalten kann: nämlich dass die Tatsache des Migrantischen über so manche Schwäche im Literarischen hinwegsehen lässt.

Zur Sicherheit hat Rabinowich außerdem noch die Gattung gewechselt und eine Novelle vorgelegt. Doch nicht nur das: Mit ihrer "Herznovelle" rekurriert sie bewusst auf Arthur Schnitzlers 1925 erschienene "Traumnovelle". Doch bei ihr ist es ausschließlich die Frau, die sich in erotisch aufgeladenen Träumereien und Fantasien von einem anderen Leben verliert. Die Ich-Erzählerin wird von ihrem Mann zu einer Herzoperation ins Krankenhaus gebracht. Die OP verläuft ohne Komplikationen, doch die Frau ist anschließend wie ausgewechselt: "Ich habe das Gefühl, dass mein Leben von mir abgeschnitten wurde wie eine alte, gewaltsam abgezogene Haut."

Vor allem aber ist sie getrieben von einer fast manischen Sehnsucht nach dem Arzt, der ihr Herz - nicht nur "Zentrum", sondern "Epizentrum" - berührt hat. Sie stellt ihm nach, sie besucht den Ärzteball, um ihn wiederzusehen, sie täuscht schließlich einen erneuten Herzanfall vor und lässt sich wieder ins Krankenhaus einliefern. "Ich will, dass Sie mich ganz machen", lässt sie ihn wissen. "Ich träume fast jede Nacht von Ihnen, und ich habe das Gefühl, dass ich mich jede Nacht mehr von dem entferne, was früher mein Leben ausgemacht hat."

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Dokument erstellt am 2011-02-25 13:30:45
Letzte Änderung am 2011-02-25 13:35:00


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