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Update: 01.03.2005, 10:28 Uhr

Sachbuch

Plattner: beyond




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Von Oliver Bentz

  • Grenzüberschreitungen

Grenzen fordern dazu heraus, überwunden zu werden, und über Begrenzungen wirft der Mensch gerne einen Blick, um zu erkunden, was sich dahinter verbirgt. Mit dem Wort "beyond", beschreibt man im Englischen diese Versuche der Entgrenzung, des "darüber hinaus" und "dahinter".


Das Thema Grenzüberschreitung beschäftigt auch 54 Autoren und Künstler, deren Texte und Bilder die Anthologie "beyond. darüber hinaus" versammelt. Das österreichisch-deutsche Gemeinschaftswerk, das die ORF-Mitarbeiterin Rosa Maria Plattner zusammengestellt und im deutschen Marsilius Verlag herausgegeben hat, vereinigt auf österreichischer Seite so unterschiedliche Autoren wie H. C. Artmann, Christoph Braendle, Elfriede Gerstl, Andreas Okopenko, Peter Rosei oder Ferdinand Schmatz und auf der deutschen Schriftsteller wie Michael Bauer, Dieter M. Gräf, Arno Reinfrank oder Ginka Steinwachs.

Folgerichtig finden die hier versammelten Arbeiten zum Thema der "Grenze" menschlichen, sprachlichen und existenziellen Daseins viele voneinander verschiedene Zugänge. "Jeder Künstler und Autor dieses Buches", so die Herausgeberin im Vorwort, "hat auf seine eigene Weise Untersuchungen von Begrenzungen und Experimente der Grenzüberschreitungen angestellt. Die publizierten Bilder und Texte zeugen von verwischten Übergängen. (. . .) Konzeptuelle Ansätze, neue Formen und Strukturen lassen Dimensionen des Denkens und künstlerischen Schaffens sichtbar werden."

Der Grenze zwischen Erinnern und Vergessen spürt beispielsweise Peter Paul Wiplinger in seinem Beitrag "Zivorad oder die Welt im Kopf" nach, wobei die greise Hauptfigur befindet, dass ihr Kopf "kein sehr großer Platz für die große Welt sei" und "keine Bilder, keine Gedanken mehr" darin Platz hätten. Grenzenlos dagegen sind die Möglichkeiten im Kopf des Poeten, behauptet zumindest Herbert Maurer in seinem Text "Was der Dichter alles kann". Grenzerfahrungen zwischen Wachen und Traum thematisiert Beate Kötzsch und den Grenzen dessen, was Menschen auszuhalten fähig und willens sind, geht Christoph Braendle in seiner beeindruckenden "Schicksalssonate" nach.

In lyrischer Weise nehmen sich

Elfriede Gerstl in ihren "allerletzten fragereien" und Arno Reinfrank

mit seiner "Letzten Fahrt" dem Überschreiten der Grenze zwischen Leben und Tod an. "Sieh den

Fährmann, den die Wellen hilflos führen - / sieh mich den Ufern

hin ins Licht entgehn . . .", so beendet der 2002 in London verstorbene deutsche Lyriker sein Gedicht.

In Form und Stimmung äußerst vielfältig kommen diese Grenzabschreitungen daher: Pessimisten, Niedergeschlagenen und Sentimentalen stehen Suchende und Utopisten entgegen. Mit experimentellen Spielen konkurrieren konventionelle Ausdrucksformen, in den Texten ebenso wie in den künstlerischen Werken, die manchmal interessant mit dem Geschriebenen korrespondieren. So vielfältig wie die Form ist auch die literarische und künstlerische Qualität der verschiedenen Beiträge, was jedoch der schönen Idee dieses innovativen künstlerisch-literarischen Unterfangens keinen Abbruch tut.
beyond. darüber hinaus. Eine deutsch-österreichische Anthologie. Hrsg. von Rosa Maria Plattner. Marsilius Verlag Speyer, 112 Seiten.




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Dokument erstellt am 2003-07-25 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 10:28:00


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