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Update: 01.03.2005, 11:21 Uhr

Literarisches Buch

Blunder: Falken des Friedens




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Von Vladimir Vertlib

  • Nahost-Thriller: "Falken des Friedens" von Robert Blunder

Der Roman des 1957 in Kufstein geborenen Autors Robert Blunder spielt auf den Golanhöhen, und die wichtigsten handelnden Personen sind österreichische Offiziere, Angehörige der UNO-Friedenstruppe, die in Ränke und Intrigenspiele des Nahost-Konfliktes geraten und dabei vermittelnd, manchmal sogar lenkend eingreifen. Der ironisch anmutende Titel "Falken des Friedens" lässt jedenfalls auf ein spannendes Buch hoffen. Leider ist die Ausführung nicht ganz so geglückt, weil der Autor genau jene Fehler macht, die das Genre zwar anbietet, die er aber eben aus diesem Grund hätte vermeiden müssen: Die Figuren sind oft klischeehaft, die aufgebaute Spannung kann nicht gehalten werden, die Handlung ist verworren und vor allem gegen Schluss alles andere als glaubwürdig.


Held der Geschichte ist Dr. Ronald Bergner, ein Mann um die 40, Betriebswirt und Oberstleutnant der Reserve. Nachdem seine Ehe gescheitert ist und er auch noch seinen Job verloren hat, meldet er sich freiwillig für einen einjährigen Einsatz auf den Golanhöhen, wo er vor vielen Jahren schon einmal gedient hat. Die Vermutung, dass es sich bei Bergner um das Alter Ego des Autors handelt, liegt nahe, was nicht nur auf die Altersgleichheit und die Ähnlichkeit der Namen zurückzuführen ist: Der Autor (übrigens Betriebswirt und Oberstleutnant der Reserve) hat drei Auslandseinsätze auf den Golanhöhen hinter sich. Jedenfalls ist Bergner ein Held, "wie er im Buche steht": gutaussehend, mutig, entschlossen, rechtschaffen, völlig unbestechlich, ein Friedensstifter, von Frauen geliebt und von Freund und Feind geachtet. Wie viele vergleichbare Helden, die man vor allem aus dem Fernsehen kennt, ist er ein "Lonely Rider".

Bergner soll auf den Golanhöhen den wichtigen Posten eines "Chiet Liaison Officer" (CLO) - des Verbindungsoffiziers zu den Behörden der beiden "Gastländer" Israel und Syrien - übernehmen. Schon im Flugzeug nach Damaskus bietet ihm ein "fieser Typ" 5.000 Dollar für einen "kleinen Gefallen" an, was der Held erwartungsgemäß ablehnt. Doch noch bevor der CLO seinen Dienst offiziell antritt, ist er mit weiteren Bestechungs- und Erpressungsversuchen seitens der Geheimdienste der verfeindeten Nachbarn konfrontiert. Bergner bleibt standhaft und gerät, nachdem er zahlreiche hinterhältige Intrigen und sinistre Machenschaften aufgedeckt hat, selbst in Lebensgefahr.

Dass ein österreichischer Militärpfarrer im UNO-Camp der uneheliche Sohn eines syrischen Generals ist, mag zwar unwahrscheinlich sein, ausgeschlossen ist es nicht. Dass er jedoch als Komplize seines Vaters und mit Hilfe seiner christlichen Glaubensbrüder in Jerusalem den See Genezareth, Israels wichtigste Wasserquelle, mit Bakterien verseuchen möchte, erscheint sogar angesichts des Terrors und der Gewalt im "Pulverfass Nahost" etwas überzogen. Mehr als überzogen, eher grotesk, ist die Szene, in der Bergner hohe israelische und syrische Offiziere zu einem "Friedensgespräch" auf den Golan zusammenbringt. Dabei bedient er sich eines geheimen, unterirdischen Ganges, den die Geheimdienste der beiden verfeindeten Staaten eigentümlicherweise übersehen zu haben scheinen, und den er ganz zufällig und gerade zum richtigen Zeitpunkt entdeckt.

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Schlagwörter

Literarisches Buch, Nahost

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2000-06-16 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 11:21:00

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