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Update: 02.09.2013, 09:33 Uhr

Zeitgeschichte

Baier, Stephan / Demmerle, Eva: Otto von Habsburg




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Von Friedrich Weissensteiner

  • Vom Thronprätendenten zum Europäer

Otto Habsburg 2007 bei Bundespräsident Heinz Fischer. - © APA/ROLAND SCHLAGER

Otto Habsburg 2007 bei Bundespräsident Heinz Fischer. © APA/ROLAND SCHLAGER

Erzherzog Otto, der älteste Sohn des letzten österreichischen Kaisers, war der langlebigste Habsburger. In den beinahe einhundert Jahren, die ihm das Schicksal zumaß, wurde er von der Weltgeschichte, die sich im vorigen Jahrhundert als Weltgericht aufspielte, harten Prüfungen unterworfen. Als er vier Jahre alt war, starb Franz Joseph, der großväterliche habsburgische Langzeitkaiser, der Sechsjährige musste nach dem Sturz der Dynastie mit der Familie den Weg in das Exil antreten. 1922 verlor er den Vater.

Information

Stephan Baier / Eva Demmerle: Otto von Habsburg. 1912 bis 2011. Die Biographie. Amalthea Signum Verlag, 608 Seiten, 39,90 Euro.


Nach Madeira folgten weitere Exilstationen in Spanien, Belgien und Frankreich. Von der Mutter strenggläubig erzogen und hervorragend ausgebildet, liefen in der Zeit des austrofaschistischen Ständestaates die Fäden der monarchistischen Bewegung, die eine Restauration des Hauses Habsburg zum Ziel hatte, bei ihm zusammen.

Im Kampf um die Unabhängigkeit Österreichs gegen die NS- Diktatur stand Otto Habsburg in vorderster Front und machte im Februar 1938 dem monarchistisch gesinnten Bundeskanzler Schuschnigg den verblüffenden Vorschlag, ihm das Amt zu übergeben, den dieser jedoch höflich ablehnte. 1940 musste der Kaisersohn in die USA emigrieren, wo er sich im Kontakt mit Franklin D. Roosevelt als Bollwerk gegen den Kommunismus mit energischer Konsequenz für die Schaffung einer Donauföderation einsetzte.

Nach dem Scheitern dieses Planes und der Rückkehr nach Europa widmete sich Otto in den nächsten Jahrzehnten als Präsident der Paneuropa-Union und als Abgeordneter der bayerischen CSU im Europäischen Parlament mit ganzer Kraft der Europaidee und erwarb sich breite öffentliche Anerkennung. Schriftstellerisch hochbegabt, warb er auch publizistisch unermüdlich für seine Vorstellung eines geeinten Europa auf christlicher Grundlage. "Der Staatsmann ohne Staat" war eine sympathische, kultivierte, hochgebildete, standfeste Persönlichkeit mit klar umrissenen und prononcierten politischen An- und Absichten, mit denen er natürlich auch auf Ablehnung stieß.

Die beiden Autoren und engen Mitarbeiter des ehemaligen Erzherzogs legen zu dessen 100. Geburtstag am 20. November dieses Jahres eine erweiterte Ausgabe ihrer bereits 2002 erschienenen, detailreichen, sehr freundlichen und sehr lesbaren Biographie vor, die freilich in manchen Passagen ein kritisches, historisch ausgewogenes Urteil vermissen lässt.




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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2012-09-24 15:09:12
Letzte Änderung am 2013-09-02 09:33:08


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