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Update: 29.08.2013, 16:27 Uhr

Waltraud Häupl

Häupl, Waltraud: Spuren zu den ermordeten Kindern und Jugendlichen in Hartheim und Niedernhart




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Von Rainer Mayerhofer

  • Den Opfern ihre Namen zurückgegeben

Schloss Hartheim war in der NS-Zeit ein Ort des Grauens.

Schloss Hartheim war in der NS-Zeit ein Ort des Grauens.© apa Schloss Hartheim war in der NS-Zeit ein Ort des Grauens.© apa

Mehr als 30.000 Menschen wurden im Rahmen der NS-Euthanasie im Schloss Hartheim in Oberösterreich ermordet. Unter den Opfern waren viele Kinder und Jugendliche, Behinderte, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

Information

Waltraud Häupl: Spuren zu den ermordeten Kindern und Jugendlichen in
Hartheim und Niedernhart. Böhlau Verlag, 293 Seiten, 30,80 Euro.


Waltraud Häupl, deren vierjährige Schwester Annemarie in der Wiener Anstalt am Spiegelgrund 1942 eines der Opfer der NS-Euthanasie war, hat in jahrelangen Recherchen versucht, die anonymen jugendlichen Opfern vor dem Vergessen zu bewahren. In einer jetzt vorgelegten Gedenkdokumentation listet sie 1066 Opfer im Alter zwischen 26 Tagen und 19 Jahren auf, die in Hartheim und in der nahegelegenen Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart vergast und zu Tode gespritzt wurden.

"Niemals darf vergessen werden, wozu negative Kräfte des Menschen fähig sind, damit sich nicht wiederholen möge, was geschehen ist!", schreibt Häupl in ihrem persönlichen Vorwort, in dem sie auch ihre Suche nach den Spuren der Opfer schildert. Ihr Anliegen war es, diese Spuren auszuforschen, die Opfer aus der Anonymität zu holen , ihnen ihre Namen und ihre persönlichen Daten zurückzugeben und soweit sich das bewerkstelligen ließ, ihre Geschichte darzustellen.

Von vielen der Ermordeten erfährt man trotz all dieser Bemühungen und Recherchen in den Archiven nicht viel mehr als die Namen, die Geburtsdaten, die letzten Aufenthaltsorte und das Datum der Überstellung nach Hartheim oder Niedernhart. Manche der Geschichten erzählen aber auch familiäre Hintergründe, widersprüchliche ärztliche Expertisen, die über Leben oder Tod entschieden und bewusste Irreführungen, mit denen die Mörder den Angehörigen gegenüber die Todesursache verschleierten.

Waltraud Häupls neues Buch ist ein ebenso erschütterndes wie wichtiges Dokument über eines der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts, das lange Zeit verdrängt und nahezu totgeschwiegen wurde.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-01-28 15:48:05
Letzte Änderung am 2013-08-29 16:27:24


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