• vom 28.03.2013, 13:52 Uhr

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Jennifer Benkau

Willkommen in der Dystopie




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Von Mathias Ziegler

  • Benkau, Jennifer: Dark Destiny; Poznanski, Ursula: Die Verratenen



Jaja, die Dystopie. Jene Zeit in naher oder ferner Zukunft, in der die Menschheit einander durch einen Weltkrieg oder eine (Natur-)Katastrophe beinahe vernichtet haben wird oder zumindest entzweit ist, hat es derzeit vielen Autoren angetan. Zwei davon sind die deutsche Jennifer Benkau und die Österreicherin Ursula Poznanski. Erstere hat gerade ihre "Dark Canopy"-Saga mit dem zweiten Band "Dark Destiny" abgeschlossen, Zweitere eine neue Trilogie mit dem ersten Band "Die Verratenen" begonnen.


Und die beiden Erzählungen weisen einige Parallelen auf. Da gibt es da wie dort ein Volk, das nach der großen Katastrophe in einem geschützten Bereich lebt, und auf der anderen Seite wildlebende Clans, mit denen es ständige Konfrontationen gibt. In beiden Geschichten ist eine junge Frau die Heldin und Ich-Erzählerin, die im Laufe der Handlung draufkommt, das nicht alles so ist, wie es scheint und von den Erwachsenen gepredigt wird.

Bei Benkau ist der Ausgangspunkt der Katastrophe die Schaffung einer neuen Rasse: der Percents, die eigentlich von den Menschen als Elite-Soldaten für den Dritten Weltkrieg geschaffen wurden, dann aber selbst die Herrschaft übernommen und die Menschen unterjocht haben. Mittendrin steckt nun die 20-jährige Joy, die es aus ihrem Clan in die Stadt verschlägt. Hat sie sich in "Dark Canopy" (benannt nach der Aschewolkenmaschine der Percents, die kein Sonnenlicht vertragen) in die Hände des jungen Soldaten Neél verirrt, in den sie sich dann trotz der widrigen Umstände verliebt hat, geht die Handlung nun in "Dark Destiny" weiter: Neél wurde von Joys früherem Clan gefangen genommen, dann aber von den Percents wieder ausgelöst. Joy, zwischenzeitlich ebenfalls wieder in ihrem Clan untergekommen, flüchtet daraufhin wieder in die Stadt, wo die beiden einander bald wieder begegnen - und beschließen, mit einem Schiff, der "Dark Destiny", zu flüchten, in der Hoffnung, dass sie jenseits des Meeres ein Land finden, in dem Menschen und Percents tatsächlich friedlich miteinander leben können. Mehr sei dazu an dieser Stelle nicht verraten, nur so viel: Was sie entdecken, freut und enttäuscht sie gleichermaßen. Das passt zu Benkaus gesamter Parabel, die in Großbritannien kurz vor dem Jahr 2060 angesiedelt ist, aber im Grunde auch zu einem anderen Zeitpunkt und woanders spielen könnte. Abseits der spannenden Handlung, die auch nicht mit Brutalität und großen Gefühlen spart, drängt sich unüberhörbar die Botschaft durch, die schon der römische Dichter Plautus geprägt hat: Homo homini lupus - Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen.



Ebenso spannend und beeindruckend ist Poznanskis Saga-Start "Die Verratenen". Hier liegt offenbar eine kleine Eiszeit zugrunde (wohl eine Parabel auf den Klimawandel), in der es nun (zum Teil im Reagenzglas gezüchtete Über-)Menschen gibt, die in sogenannten Sphären (unter riesigen Glaskuppeln) leben, geschützt vor Wind und Wetter, dafür aber sehr steril, und die Anderen, die sich in Clans zusammengerottet haben, um der wilden Natur zu trotzen. Und während man den Einwohnern der Spähren erklärt, wie undankbar und gewalttätig die Clans draußen sind, läuft offenbar eine Art verdecktes ethnisches Säuberungsprogramm des Sphärenbundes unter den Clans. Darauf stößt die 18-jährige Ria, die gemeinsam mit ihrem Freund Aureljo und vier weiteren Studenten einer Elite-Akademie in den Sphären i ein Mordkomplott gerät. Nur durch Zufall erfährt sie, dass sie alle sechs sterben sollen, und es gelingt ihnen die Flucht vor ihren Häschern - die sie geradewegs zu einem Clan führt. Wie der darauffolgende Clash of Civilizations vonstatten geht, kann sich der Leser schon jetzt denken. Aber natürlich ist auch hier nichts, wie es scheint. Poznanski schafft es schon wie in ihren vorigen Büchern "Erebos" und "Saeculum", eine Konstellation von Charakteren aufzubauen, die im Laufe der Handlung immer weiter aufeinander zutreiben, durcheinanderwirbeln und dann selbst nicht mehr wissen, wo sie eigentlich stehen. Mit einer stetigen Steigerung der Spannung und immer tieferen Verstrickungen, die den Leser einfach nicht mehr loslassen. Und so liest man "Die Verratenen" und ärgert sich am Ende, dass Band zwei und drei noch nicht erschienen sind . . .

Jennifer Benkau: Dark Canopy

Script5

19,50 Euro

Jennifer Benkau: Dark Destiny

Script5

19,50 Euro

Ursula Poznanski: Die Verratenen

Loewe

19,50 Euro




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Dokument erstellt am 2013-03-28 13:56:05


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