• vom 13.05.2013, 14:32 Uhr

Bücher aktuell

Update: 02.09.2013, 12:36 Uhr

Politik

Fischer, Joschka / Stern, Fritz: Gegen den Strom




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Friedrich Weissensteiner

  • Geistreicher und inspirierender Dialog

Joschka Fischer erweist sich als Denker von Format. - © WZ/Newald

Joschka Fischer erweist sich als Denker von Format. © WZ/Newald

Ein Dialog kann amüsant, informativ, seicht, inhaltsleer, inspirierend und vieles mehr sein. Das hängt von den Gesprächspartnern und den Themen ab, über die sie reden. In beiden Fällen treffen diese grundsätzlichen Voraussetzungen für ein anregendes, geistreiches Gespräch voll zu. Der grüne Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland in der Regierung Schröder (1998-2005) und der prominente jüdische Historiker Fritz Stern (Jahrgang 1926), der mit den Eltern vor den Nazis in die USA flüchten musste, garantieren mit ihrer brillanten Intelligenz und ihrer eminenten Sachkenntnis ein hohes Gesprächsniveau.

Information

Joschka Fischer, Fritz Stern: Gegen den Strom. Ein Gespräch über Geschichte und Politik. C. H. Beck Verlag, 224 Seiten, 20,60 Euro


Und die Themen, auf die sie sich einigten, sind von höchster politischer und historischer Aktualität: die beiden Weltkrieg des vorigen Katastrophenjahrhunderts, der Weg in die NS-Diktatur, der Wiederaufbau, die Wiedervereinigung Deutschlands und dessen Rolle in Europa, die Krise der internationalen Finanzwirtschaft und der EU, der drohende Rückfall in den Nationalismus, die Feindschaft zwischen Israel, den Palästinensern und dem Iran und die damit verbundene Gefahr eines atomaren Konflikts, die ideologische und geistige Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, die Folgen der globalen Kommunikationsvernetztheit.

Der Politiker und der Historiker, die einander in freundschaftlicher Verbundenheit begegnen, sind bei der analytischen Durchleuchtung dieser bedeutsamen Themen weitgehend einer Meinung. Sie beklagen das politische Desinteresse der Menschen, die Egozentrik als gesellschaftliches Phänomen, den Mangel an Geschichtsbewusstsein, die Entideologisierung der Politik, das Fehlen von Führungspersönlichkeiten.

Beide befürworten eine Zweistaatenlösung in der Palästinafrage. Kontroversiell beurteilen sie die deutsche Israelpolitik. Mit den USA geht Stern strenger ins Gericht als Fischer. Er bezweifelt sogar à la longue die Regierbarkeit der Weltmacht. Gegen den Strom schwimmen die beiden Herren, die auch Anekdotisches und Persönliches äußern, im Großen und Ganzen nicht. Im Übrigen erweist sich der ehemalige deutsche Außenminister als ein verantwortungsbewusster und staatsmännischer Denker von Format.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2013-05-13 14:35:06
Letzte Änderung am 2013-09-02 12:36:56



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. täglich
  2. Bohemien und Intellektueller
  3. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
Meistkommentiert
  1. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
  2. Rosamunde Pilcher verstorben
  3. Hach, ist das schön!

Werbung




Werbung