• vom 24.01.2014, 14:00 Uhr

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Update: 24.01.2014, 15:09 Uhr

Literatur

Pittler, Andreas: Charascho




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Von Katharina Schmidt

  • Krimineser auf Nazijagd
  • David Bronstein kehrt zurück - in "Charascho", dem sechsten Teil der Wiener Krimi-Serie von Andreas Pittler, sucht der Kommissar einen Auschwitz-Verbrecher.

Andreas Pittler (Jg. 1964), plant noch einen Bronstein.

Andreas Pittler (Jg. 1964), plant noch einen Bronstein.© Foto: privat Andreas Pittler (Jg. 1964), plant noch einen Bronstein.© Foto: privat

Wir sollten ihn genießen, solange wir ihn noch haben. Denn ewig will sich der Vielschreiber Andreas Pittler auch nicht mehr mit seinem Starermittler aufhalten. Für kommendes Jahr droht er schon mit einem Titel namens "Good Bye". Das kann ja nichts Gutes verheißen.


Aber zunächst sind wir weniger bei den Briten und Amerikanern als bei den Russen: "Charascho" (Russisch für "Ja, gut") heißt das neue Oeuvre, das dieser Tage erschienen ist. Den mittlerweile sechsten Band der Kriminalroman-Saga rund um den Ermittler David Bronstein lässt Pittler in der "Stunde Null" spielen, auch wenn er den Begriff nicht gerne hört. Es geht um die ersten Tage, Wochen, Monate, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. "So etwas wie eine Stunde Null kann nicht existieren, denn die Menschen haben ihr Leben weiter gelebt", sagt der studierte Historiker. In jungen Jahren arbeite er im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, wo er den Stoff für "Charascho" aufsaugte. Wie er gerade auf historische Kriminalromane gekommen ist? "Meine ersten Bücher waren Geschichtsbücher. Aber dann habe ich herausgefunden, dass die nur von denen gelesen werden, die sich ohnehin schon mit der Materie beschäftigt haben." Also suchte sich Pittler schlicht ein anderes - und auch bei Nicht- oder Wenig-Lesern beliebtes - Medium, um seine historischen Belehrungen an den Mann zu bringen.

So spielen alle Bronstein-Teile vor einem echten historischen Hintergrund - vom Ersten Weltkrieg über die Februarkämpfe bis hin zum Anschluss 1938. Das war auch der Moment, als der Jude David Bronstein vor den Nazi-Schergen flüchten musste.

Information

Andreas Pittler: Charascho. Kriminalroman. Echomedia Verlag, Wien 2013, 370 Seiten, 19,80 Euro.
"Charascho" wird am 30. Jänner 2014 um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Morawa (Wollzeile 11, 1010 Wien) präsentiert.

Im letzten Moment hat er es nach Tschechien geschafft - um nun über Umwege zurück in sein völlig ausgebombtes Domizil in die Wiener Walfischgasse zu gelangen. Und diesmal ist etwas neu: Anders als in den bisherigen Bänden der Serie ist nun auch der Mörder eine echte Figur, wenn auch unter einem Pseudonym.

Max Burger, gefürchteter Sadist und vielfacher Mörder aus Auschwitz, dessen Treiben sogar der SS zu heftig wurde, gelingt in den letzten Kriegstagen die Flucht aus Wien. Am Weg hinaus aus dem schon halb von den Russen besetzten Wien zieht er skrupellos eine Blutspur - bis sich seine eigene bei Fischamend verläuft. Währenddessen kehrt Bronstein, der den Krieg als tschechischer Emigrant Josef Tauber in Frankreich - etwa als Hausmeister von Samuel Beckett, der im Krieg tatsächlich einen tschechischen Hausangestellten beschäftigte - zurück in das Wien, das nicht mehr seines ist.

Nur schwer findet sich der Urvater des grantigen Wiener Polizisten wieder in seiner Heimatstadt ein - die Tatsache, dass die Kaffeehäuser geschlossen sind, scheint ihn mindestens so zu stören wie die Lebensmittelknappheit. Trotzdem macht er sich mit seinem neuen Vorgesetzten, dem Kommunisten Heinrich Dürmayer, auf die beschwerliche Jagd nach dem Nazi-Verbrecher.

Mit "Charascho" liefert Pittler auch diesmal einen kurzweiligen und urwienerischen Krimi mit historischem Mehrwert. So verschroben er auch sein mag - den Bron-stein mag man einfach nicht missen. Wird man aber müssen. Denn nach mehr als 25.000 verkauften Bronstein-Exemplaren - Pittler ist einer der Platzhirschen am boomenden österreichischen Krimimarkt - heißt es nächstes Jahr tatsächlich "Good Bye". Mit einer Ermittlung rund um den Staatsvertrag 1955 meldet sich der dann über 70-jährige Bronstein nur noch einmal zurück. Bis dahin wird Pittler, der bisher 45 Bücher geschrieben hat, aber wohl nicht ruhen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-01-23 20:41:05
Letzte Änderung am 2014-01-24 15:09:56


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