• vom 20.03.2014, 17:07 Uhr

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Martin Heidegger

Im Dunkel der "Schwarzen Hefte"




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Von Heiner Boberski

  • Martin Heidegger war ein "gefährlicher Denker" - ein Nationalsozialist mit antisemitischen Zügen
  • Heftige Debatte über einen Philosophen mit viel Einfluss - vor allem in Frankreich.

Martin Heidegger war für Hannah Arendt der "heimliche König" der deutschen Philosophie des 20. Jahrhunderts.

Martin Heidegger war für Hannah Arendt der "heimliche König" der deutschen Philosophie des 20. Jahrhunderts.© Bettmann/Corbis Martin Heidegger war für Hannah Arendt der "heimliche König" der deutschen Philosophie des 20. Jahrhunderts.© Bettmann/Corbis

"Ich appelliere an die Philosophen aller Länder, sich zusammenzutun und nie wieder Heidegger zu erwähnen, oder mit einem anderen Philosophen zu sprechen, der Heidegger verteidigt." Martin Heidegger (1889-1976), den sein entschiedener Gegner Karl Raimund Popper (1902-1994) noch an seinem 90. Geburtstag auf diese Art attackierte, ist nicht der Vergessenheit oder allgemeiner Ächtung anheimgefallen. Gerade in den letzten Wochen haben einige Neuerscheinungen die Kontroversen über einen der meistumstrittenen und einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts erneut angefacht. Dabei stehen die Fragen im Vordergrund, wie weit Heidegger Nationalsozialist und Antisemit gewesen ist und wie sehr er später um eine Verharmlosung seiner Biographie und etlicher Äußerungen bemüht war.

Anlass für die Debatten sind unter anderem drei Bände der "Schwarzen Hefte" Heideggers, jener "Denktagebücher", die er in den 1930er und 1940er Jahren führte und die erst jetzt, als Abschluss der Heidegger-Gesamtausgabe, publiziert werden dürfen.
Peter Trawny vom Martin-Heidegger-Institut der Bergischen Universität Wuppertal, Herausgeber dieser "Schwarzen Hefte" und zugleich Autor des neuen Buches "Heidegger und der Mythos der jüdischen Weltverschwörung", ortet bei dem Philosophen "seinsgeschichtlichen Antisemitismus", geprägt von den erfundenen "Protokollen der Weisen von Zion".


Und schließlich analysiert der deutsche Medienforscher Lutz Hachmeister in seinem kritischen Buch "Heideggers Testament" das berühmte Interview des Philosophen mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vom September 1966, das erst zehn Jahre später, nach Heideggers Tod, veröffentlicht werden durfte.

Hachmeister wirft Heidegger vor, er habe "seine Biographie und seinen Denkweg in zahlreichen Lebensläufen und Selbstreflexionen immer wieder überschrieben, retuschiert und neu justiert". Im Gespräch mit "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein, der sich damit eine journalistische "Trophäe" sichern wollte, und dem Ressortleiter und früheren SS-Mann Georg Wolff versuchte Heidegger sein Bild für die Nachwelt zurechtzurücken. Hatte er sich 1933 als neuer Rektor der Universität Freiburg sofort zum Nationalsozialismus und zur Treue zum "Führer" bekannt und wegen seiner klaren Einstellung für den NS-Staat nach 1945 Lehrverbot erhalten, so gab er sich gegenüber dem "Spiegel"-Team als halber Widerstandskämpfer und lieferte als Titelzeile für das Interview das Zitat "Nur noch ein Gott kann uns retten".

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Dokument erstellt am 2014-03-20 17:11:04


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