• vom 10.09.2014, 09:46 Uhr

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Update: 10.09.2014, 09:51 Uhr

Roman

Moshammer, Bernhard: Alles über Mr. Davis




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Von Mathias Ziegler

  • Vom Mann, der eine Diva fast geheiratet hätte.



Sie gehörte zu den ganz Großen in Hollywood. Am 6. Oktober jährt sich der Todestag der Ruth Elizabeth Davis (geboren am 5. April 1908), besser bekannt als Bette Davis, zum 25. Mal. Aus diesem Anlass hat Bernhard Moshammer, Musiker am Wiener Burgtheater und seit ein paar Jahren auch Romanautor, eine Hommage an die Filmlegende geschrieben. Der Ausgangspunkt des Romans ist das Jahr 1964, in dem ganz inkognito Wien besucht und dabei den durch den Zweiten Weltkrieg etwas verstörten Leopold Gassner trifft. Sie verbringen einen Tag miteinander, bei dem sie im Kino einen ihrer Filme in der Synchronfassung sehen, Bette Leopold einen So-gut-wie-Heiratsantrag macht und er beim Heurigen als Mr. Davis angesprochen wird.

50 Jahre später erzählt der mittlerweile 90-jährige Leopold der jungen Journalistin Saskia von jenem denkwürdigen Tag, der ihm bis heute in Erinnerung geblieben ist. Vor allem weil er als einen seiner ersten Sätze beim Kennenlernen zur Davis sagte: "Ich glaube, ich bin impotent." Und da rückte sie ihm noch näher und war plötzlich "wie ein anderer Mensch". Was ein wesentlicher Punkt in Moshammers Werk ist: Er arbeitet die Davis als eine Frau heraus, der – vielleicht auch, weil sie die Traumfabrik Hollywood nur allzu gut durchschaut – in ihrer Divenhaftigkeit doch auch sehr erdig, bodenständig und einfühlsam geblieben ist.


Märchen und Lieder zwischendurch, erst irritierend, dann zusammenwachsend

Unterbrochen wird Leopolds Erzählung immer wieder durch abstruse moderne Märchen über ein seelenloses Objekt namens "Frank, die Bierflasche" sowie über eine Superheldin mit seltsamen körperlichen Eigenschaften und einem Gesicht wie Bette Davis, gleich dem Atemholen des alten Mannes, der bedächtig seine Geschichte erzählt. Und als Interludien liefert Moshammer auch noch eine Art Soundtrack aus verschiedenen eigenen literarischen Liedern mit, bei denen er sich von "Mutter Courage" inspirieren ließ.

Während die beiden fortlaufenden Märchen von der Bierflasche und der Frau anfangs noch irritieren und den Lesefluss behindern, wachsen sie nach und nach mit der zwischen 1964 und heute hüpfenden Hauptgeschichte zusammen. Parallel zu Leopolds Erinnerungen gerät derweil übrigens auch Saskias Leben gehörig durcheinander. Der Schluss all dessen ist dann zwar kein klassisches Happy End, aber durchaus Hollywoods würdig.

Bernhard Moshammer: Alles über Mr. Davis
Roman (228 Seiten) inkl. CD "Alles über Jeden"
Milena Verlag; 18,90 Euro




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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2014-09-10 09:48:45
Letzte Änderung am 2014-09-10 09:51:35



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