• vom 20.05.2017, 12:00 Uhr

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Steroide, Joints und Machosprüche




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Von Heimo Mürzl

  • Wolfgang Pollanz’ so origineller wie amüsanter Roman "Hasta la vista, baby".



Arnold Schwarzeneggers legendärer Spruch "I’ll be back" aus dem Film " The Terminator" trifft auf den Grazer Wolfgang Pollanz nicht zu. Denn der umtriebige Schriftsteller, Labelbetreiber (Pumpkin Records) und Herausgeber der edition kürbis war gar nie weg. Sein neuester Streich ist nun ein Roman mit dem Titel "Hasta la vista, baby" und spielt im Los Angeles der frühen 1970er Jahre.

Der Held, Arno Weissenegger, versucht in Los Angeles seinen Traum von einer Karriere als Bodybuilder zu verwirklichen. Das große Erdbeben im San Fernando Valley sowie eine Massenkarambolage bringen ihn jedoch wortwörtlich vom (Karriere-)Weg ab. Was folgt, ist ein wenig glamouröses Dasein als Privatdetektiv - mit einer Klientel zwischen Zwie- und Rotlicht.

Information

Wolfgang Pollanz

Hasta la vista, baby

Roman. Milena Verlag, Wien 2017, 196 Seiten, 18,50 Euro.

Nicht ganz unschuldig werden Arno und seine Freundin Tamara in den Handel mit geschmuggelten Drogen verwickelt und geraten dabei zwischen die Fronten zweier verfeindeter Drogenkartelle. Sein Versuch, in der Film- und Rockmusikszene von Los Angeles mit Heroin zu dealen, stößt bei der albanischen und kubanischen Mafia allerdings auf wenig Gegenliebe und lässt Arnos Träume vom unbeschwerten Leben zwischen Traumfabrik Hollywood und kalifornischer Hippie-Seligkeit rasch platzen.

Der ursprünglich vorgesehene Romantitel, "Arnold Schwarzenegger, Privatdetektiv", wurde von Wolfgang Pollanz wieder verworfen, um nicht mit den Anwälten des "Markennamens" Arnold Schwarzenegger in Konflikt zu geraten. Wobei auch die Romanfigur Arno Weissenegger - der Held hörte im kalifornischen Kurzkrimi "Weissenegger", der 1994 im Wiener Kleinverlag Tauschzentrale erschien und so etwas wie eine Vorstudie des aktuellen Romans war, noch auf den Vornamen Arnold - durchaus so manche Ähnlichkeiten mit der Kultfigur Arnold Schwarzenegger aufweist.

Den gesamten Roman hindurch ist spürbar, welch großen Spaß Wolfgang Pollanz daran hat, sein virtuoses Spiel mit Verweisen und Anspielungen auf Filme, Bücher und Popmusik voranzutreiben - und wie geübt er darin ist. Weder Thomas Pynchon, noch Frank Zappa und schon gar nicht Arnold Schwarzenegger bleiben da verschont.

Der Leser dieses Glücksfalls eines literarischen Schundromans kann sich prächtig amüsieren und auch kopfschüttelnd wundern: zum Beispiel über muskelbepackte Bodybuilder mit optimistischer Karriereplanung, über die Populärkultur, die mehr und mehr ihre Wurzeln und Anliegen vergisst und ihre Ziele aus den Augen verliert sowie insgesamt über eine bigotte, verlogene Gesellschaft, in der stets jener Recht hat, der Erfolg und Geld vorweisen kann.

Wolfgang Pollanz hat mit "Hasta la vista, baby" einen literarischen Coup gelandet, der nicht nur mit Verve und Witz die amerikanische hard-boiled-Krimischule auf die Schaufel nimmt, sondern auch mit den Kategorisierungen von Trivial- und Hochliteratur spielt.

Da in diesem Roman nicht, wie in der Trivialliteratur üblich, die Erwartungen des Lesers bestätigt werden, handelt es sich bei "Hasta la vista, baby" ohne Zweifel um gehobene Literatur mit hohem Unterhaltungswert.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-18 17:03:06
Letzte Änderung am 2017-05-18 17:20:15


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