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Update: 03.05.2018, 16:42 Uhr

Sachbuch

Ein Virus verändert die Welt




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Von Maren Landwehr

  • Die Spanische Grippe hat 1918 die moderne Welt mitgeformt.

Der Spanischen Grippe fielen Millionen zum Opfer.

Der Spanischen Grippe fielen Millionen zum Opfer.© Wikicommons, Library of Congress Der Spanischen Grippe fielen Millionen zum Opfer.© Wikicommons, Library of Congress

Die Spanische Grippe hat den Wandel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschleunigt und die moderne Welt mitgeformt, schreibt Laura Spinney in "1918. Die Welt im Fieber - Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte". Die Wissenschaftsjournalistin rekonstruiert die globale Ausdehnung der Pandemie, setzt sich mit Fakten und Unbewiesenem auseinander und analysiert, wie sie die Menschheit veränderte. Sie blickt zurück auf das Jahr 1918, als Viren unbekannt waren und mangelhaftes medizinisches Wissen eine Welt verunsicherte, in der es zwar schon Autos gab, die aber noch an Hexen glaubte.

Sie analysiert die Situation in den am Ersten Weltkrieg beteiligten Ländern und macht kurzweilig eine Gesellschaft zwischen Moderne und Mittelalter sichtbar. In dieser Welt wütete die Spanische Grippe, die in drei Wellen auftrat, die jeden dritten Erdbewohner infizierte und an der zwischen 50 und 100 Millionen Menschen starben. In Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Italien gab es mehr Kriegstote, aber auf allen anderen Kontinenten, außer der Antarktis, fielen mehr Menschen der Grippe als dem Krieg zum Opfer.

Information

Sachbuch

1918. Die Welt im Fieber -
Wie die Spanische Gruppe die Gesellschaft veränderte.

Laura Spinney, Hanser Verlag

384 Seiten, 26 Euro

Aktuelle Prognosen

Spinney beschreibt facettenreich und leicht verständlich diese Zeit: Die Hilflosigkeit der Ärzte und der Regierungen, die Quarantäne-Maßnahmen anordneten, an die sie selbst nicht glaubten; die Schwierigkeit bei der Diagnostik; die fehlende Gesundheitsvorsorge und die wenigen Kommunikationsmöglichkeiten. Unwissenheit führte zu millionenfachen Infizierten und Toten. Das dokumentiert die Autorin historisch, medizinisch und wissenschaftlich. Einige Passagen ufern dabei detailverliebt aus, doch bleibt die Bedeutung der Spanischen Gesellschaft im Fokus: Denn die Forscher sind sich einig, dass das Überspringen des Erregers vom Vogel auf den Menschen und die hochgradige Ansteckung die Ursache waren und die Grippe auch ohne den Ersten Weltkrieg ausgebrochen wäre. Dieser trug aber zur globalen Verbreitung bei.

Die Einzigartigkeit dieser Pandemie zeigt sich für sie darüber hinaus an gesellschaftspolitischen Entwicklungen: Die Spanische Grippe hat Indien die Unabhängigkeit nähergebracht, Südafrika die Apartheid. Sie führte zur allgemeinen Gesundheitsfürsorge und zur Alternativmedizin. Die Forschungen heute beinhalten die Prognose einer erneuten Pandemie und dass die aktuelle Weltlage verantwortlich ist, ob es zehn Millionen oder hundert Millionen Opfer gibt.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-03 16:27:33
Letzte Änderung am 2018-05-03 16:42:18


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