• vom 06.05.2018, 16:00 Uhr

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Von Peter Mohr

  • "Schwarz und weiß" - ein Roman voller Gegensätze von Irene Dische.



Selten ist ein Titel so aussagekräftig wie beim opulenten Epos "Schwarz und Weiß" der meist in Berlin lebenden US-Autorin Irene Dische. Sie erzählt die unkonventionelle Liebesgeschichte zwischen einem ungebildeten, dunkelhäutigen Mann aus Florida und der Tochter einer intellektuellen jüdischen Emigrantenfamilie aus New York. Aufsteigergeschichte, Fami-lienroman und Gesellschaftspanorama hätte es werden können, doch über weite Strecken fühlt man sich in eine rasante Woody-Allen-Komödie versetzt.

Information

Irene Dische
Schwarz und Weiß

Roman. Übersetzt von Elisabeth Plessen. Hoffmann und Campe, Hamburg 2017, 489 Seiten, 26 Euro.

Duke Butler, der junge Mann aus Florida, lernt in den 1970ern Lili Stone kennen, Tochter eines Komponisten und einer den Drogen und Seitensprüngen zugeneigten Essayistin. Lili stellt ihren Eltern den Geliebten als Urenkel von Thomas Jefferson vor. Und plötzlich öffnen sich für den armen Duke die Türen zur großen Glamour-Welt, ein geradezu paradiesisches Leben scheint zu beginnen. Irene Dische bewegt sich hier in schwindelerregende Höhen des Kitsches, und man weiß nicht so recht, ob bewusst oder unbewusst.

Duke liest nun den Kulturteil der "New York Times", lässt sich angeblich von Ezra Pounds Lyrik inspirieren und avanciert zum gefeierten Weinkenner der New Yorker Schicki-Micki-Szene. En passant wird auch noch die unattraktive Lili als Model entdeckt. Das Paar steigert sich in einen wahren Lebensrausch hinein. Man ahnt es früh, das geht nicht gut, denn die vermeintlich heile Welt steckt voller Makel. Doch Irene Disches Wendungen verlangen dem Leser ein Höchstmaß an Goodwill ab.

"Schwarz und Weiß" ist tatsächlich das Programm: Gegensätze, wie sie krasser nicht sein können, Klischees, die an Plattheit kaum zu überbieten sind. Oder legt uns Irene Dische eine ellenlange Satire vor, ohne Scheu vor Slapstick-Effekten? Zweifel sind angebracht.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-03 17:21:42
Letzte Änderung am 2018-05-03 17:41:20



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