• vom 15.05.2018, 14:29 Uhr

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Update: 15.05.2018, 14:45 Uhr

Krimi

Ländliche Klischees mit ernstem Hintergrund




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Von Mathias Ziegler

  • Maria Publig widmet sich in "Waldviertelmorde" ihrer Lieblingsregion, den Problemen eines Reithofs und sozialen Missständen.



Eigentlich wollte PR-Lady Walli Winzer sich eine Auszeit im Waldviertel nehmen, um wieder runterzukommen - doch stattdessen stolpert sie in eine wahre Mordserie rund um den örtlichen Reithof. Und weil die Polizei gleich einmal Walli des Mordes verdächtigt, ermittelt diese nun gemeinsam mit einem altgedienten Magazinjournalisten auf eigene Faust, um ihre Haut zu retten und den wahren Täter zu finden.

Maria Publig hat ihren Regionalkrimi stark überzeichnet, auch sprachlich, und badet nur so in Klischees.Das ist ihr aber nicht passiert, sondern volle Absicht, stellt die Autorin klar. Denn das gehöre nun einmal zum Genre des Regionalkrimis dazu. Der Anstoß für ihre überspitzte Geschichte, die hartgesottenen Krimilesern etwas gekünstelt und simpel gestrickt erscheinen mag, war übrigens ein realer Fall, bei dem die Behörden bei den katastrophalen Bedingungen, unter denen die Stallknechte eines Reithofs arbeiten mussten, weggeschaut haben. Die Erkenntnisse aus ihren dortigen Recherchen hat Publig in ihren Roman, in dem neben den Morden auch Pferdekoliken eine tragende Rolle spielen, ein wenig einfließen lassen. Dazu kommt die Figur der starken Frau Walli WInzer, die sich in einer harten Branche durchgekämpft hat (im wahrsten Sinn des Wortes) und in gewissen Sinne prototypisch ist für Führungskräfte, insbesondere weibliche, die permanent unter starkem Druck stehen.

Es ist also nur vordergründig ein Krimi, der unterhalten soll. Hintergründig ist es eine Auseinandersetzung mit sozialen Missstände n(die ausgebeuteten Stallknechte im Buch sind Rumänen - also EU-Bürger -, und Walli Winzer kann überhaupt nicht fassen, wie sie behandelt werden), Leistungsdruck und dem Gesamtzustand unserer Gesellschaft.

Maria Publig: Waldviertelmorde
Gmeiner; 310 Seiten; 14,40 Euro





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-15 14:34:44
Letzte Änderung am 2018-05-15 14:45:15


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