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Update: 17.05.2018, 19:39 Uhr

Sachbuch

Geschichtsträchtigster Platz der Republik




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Von Friedrich Weissensteiner

  • Autor Peter Stachel recherchierte zum Thema "Mythos Heldenplatz".

Die großen öffentlichen Plätze in zahlreichen Großstädten der Welt sind nicht nur Hotspots für die Fremdenverkehrwerbung, sie waren und sind nicht selten die Zentren von Protestkundgebungen gegen unpopuläre Regierungen oder aber Schauplätze machtpolitischer Inszenierungen. Jüngste Beispiele sind der Taksim-Platz in Istanbul sowie der Majdan-Platz in Kiew.

In Europa ging die Bedeutung der großen öffentlichen Plätze mit der Politisierung breiter Bevölkerungskreise seit der Französischen Revolution und der Ära Napoleons einher. Die Habsburger-Monarchie hinkte ein wenig nach. Der Platz zwischen der Neuen Hofburg und dem Volksgarten mit dem schönen Blick auf Parlament und Rathaus, konnte erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zuge des Ringstraßenbaus gestaltet werden. Die Festungsanlagen mussten geschleift und die Pläne für die Errichtung eines "Kaiserforums" mit einem zweiten Hofburgflügel fallen gelassen werden, ehe es so weit war. Der Platz hieß ursprünglich Äußerer Burgplatz. Eine offizielle Umbenennung in Heldenplatz gibt es bis heute nicht, obwohl sich der Name im allgemeinen Sprachgebrauch alsbald durchsetzte.

Information

Peter Stachel: Mythos Heldenplatz. Hauptplatz und Schauplatz der Republik, Molden, 192 Seiten, 23 Euro

Monumentale Reiterstandbilder

Den Platz beherrschen zwei monumentale Reiterstandbilder von zwei Persönlichkeiten, die zur Zeit der Monarchie als Helden gegolten haben: jene des Erzherzogs Carl, der Napoleon bei Aspern die erste militärische Niederlage zufügte, und des Türkenbezwingers Prinz Eugen. Sie werden vom Autor Peter Stachel in "Mythos Heldenplatz. Hauptplatz und Schauplatz der Republik" ausführlich beschrieben und ihre Symbolkraft ausgeleuchtet. Das äußere Burgtor, das den Platz zur Ringstraße hin begrenzt, ist heute Standort politisch bedeutsamer Denkmäler. Im autoritären Ständestaat wurde der Heldenplatz für ideologisch motivierte Veranstaltungen benutzt. Sie alle werden bis heute vom Geschehen am 15. März 1938 überschattet. An diesem Tag verkündete Adolf Hitler vom Altan der Äußeren Burg aus vor einer jubelnden Menschenansammlung den "Eintritt seiner Heimat in das Großdeutsche Reich".

In der Zweiten Republik ist der Platz ein Forum für die verschiedensten Geschehnisse (etwa Papstmessen oder "Lichtermeer") geworden, die die demokratische Offenheit unserer Gesellschaft widerspiegeln. Das Buch ist ausgezeichnet recherchiert, aber strohtrocken geschrieben.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-17 16:27:58
Letzte Änderung am 2018-05-17 19:39:25


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