• vom 26.05.2018, 15:00 Uhr

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Literatur

Vademecum gegen Einsamkeit




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Von Shirin Sojitrawalla

  • Felicitas von Lovenbergs "Gebrauchsanweisung fürs Lesen".



Die "Gebrauchsanweisungen" genannten Länderkunden aus dem Piper Verlag sind zu Recht Bestseller. Zwar ist nicht jeder Band ein Hit, aber viele sind beinahe schon unersetzliche Reisebegleiter für all diejenigen, die Hilfe beim Entdecken von Land und Leuten brauchen bzw. schätzen.

Information

Felicitas von Lovenberg
Gebrauchsanweisung fürs Lesen

Piper Verlag, München 2018, 126 Seiten, 10,30 Euro.

Seit einiger Zeit schon weicht sich das Konzept auf: Nicht nur Länder und Städte dienen als Thema, sondern auch das Bahnfahren oder das Leben an sich. Dazu fügt es sich bestens, dass die Verlegerin des Piper Verlags, Felicitas von Lovenberg, jetzt eine "Gebrauchsanweisung fürs Lesen" geschrieben hat. Dahinter verbirgt sich ein kleinformatiger Ratgeber für alle, die es wissen wollen und wissen müssten. Sie selbst sieht das Büchlein als "eine Art Beipackzettel einer äußerst gesunden Tätigkeit mit Risiken und Nebenwirkungen". Folgerichtig bezeichnet sie später Gedichte als so etwas wie Heftpflaster, die bei Schmerz und Ratlosigkeit rasch Linderung schaffen könnten.

Für von Lovenberg, die ab 1998 Feuilletonredakteurin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und zuletzt deren Literaturchefin war, ist das Lesen mit das Schönste auf der Welt. Damit spricht sie allen Büchermenschen aus der Seele, auch wenn sie das Lesen tüchtig überfrachtet. Es scheint ihr ein Ersatz für alles und jeden und generell ein Allheilmittel. Keine noch so abseitige Studie bleibt unerwähnt, so auch jene, nach der Leser und Leserinnen länger lebten als Nichtleser und Nichtleserinnen, und zwar im Durchschnitt gleich zwei ganze Jahre länger. Der Literaturkritiker Denis Scheck, Moderator der einst von Felicitas von Lovenberg geleiteten Fernsehsendung "Lesenswert", beeendet jede Folge mit dem Spruch "Lesen macht schön, schlank und sexy!"

Etwa dieselben Segnungen spricht auch von Lovenberg dem Lesen zu. Es sei ein Vademecum gegen Einsamkeit, schaffe Linderung bei Kummer. Und wer schon in der Jugend gelesen habe, könne sich später erwiesenermaßen Hoffnung auf ein höheres Einkommen machen als die Lesefaulen. Kurz: Das Buch ist eine einzige Liebesklärung an das Lesen sowie schönerweise auch an das gedruckte Buch. Darüber hinaus beschäftigt sich die Autorin mit den nagenden Fragen eines jeden Büchernarren: wo lesen, wie, was - und wann?

Ihr bibliophiler Gewährsmann heißt Alberto Manguel, der 2012 eine eigene "Geschichte des Lesens" geschrieben hat. Dabei wartet von Lovenberg mit vielen Zitaten weiterer Gewährsmänner und -frauen auf, gibt den einen oder anderen Lektüretipp und im Anhang jede Menge Lesefutter für alle, die (noch) mehr übers Lesen lesen möchten.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-24 17:33:57
Letzte Änderung am 2018-05-24 17:49:23


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