• vom 20.06.2018, 12:00 Uhr

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Sachbuch

Des Siegens nicht mehr mächtig




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Dass besonders Deutschland hilflos vor dieser Herausforderung steht, ist für Amoghli und Meschnig letztlich die tragische Konsequenz des Dritten Reiches: Das heutige postheroische Deutschland habe "in Anbetracht der katastrophalen Folgen allem Heldischen abgeschworen im postheroischen Kontext wird kein Konflikt als derart tiefgehend angesehen, dass er nicht durch Verhandlungsrunden gelöst werden könnte. Das Gespräch ersetzt den Kampf, der Tausch den Gewinn und der Kompromiss den Sieg." Das ist ja an sich ungemein sympathisch - nur leider auch potenziell letal in einer Auseinandersetzung mit einem Feind wie der Al-Kaida, dem Islamischen Staat oder Boko Haram, die dergleichen für degenerierte Entartungen völlig verweichlichter Schwächlings-Kulturen im morschen Endstadium halten.

Braucht einen ideellen Kern
Eher im Allgemeinen hält sich der Essay, wenn es um die ja nicht ganz unwichtige Frage nach Auswegen aus dieser mentalen Krise geht. Es gehe darum, "den Erhalt und die Bewahrung einer freien, pluralistischen und offenen Gesellschaft mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu verteidigen. Dafür braucht es aber einen gemeinsamen ideellen Kern, der alle Gruppen integrieren kann und so dem Zerfall des Gemeinwesens vorbeugt. Es braucht darüber hinaus die Selbstgewissheit hinsichtlich dessen, was es überhaupt zu verteidigen gilt. Erst wenn darüber Klarheit herrscht, wird Deutschland und mit ihm Europa in der Lage sein, dem militanten Islam auf Augenhöhe zu begegnen." Ja, eh, möchte man dazu meinen, aber wie bloß stellt man - wer ist das eigentlich konkret? - das im wirklichen Leben eigentlich an? Trotzdem: einer der scharfsinnigsten Texte seit langem zu der zentralen Zukunftsfrage schlechthin des Westens.

Sachbuch

Siegen oder Vom Verlust der Selbstbehauptung

Parviz Amoghli und Alexander Meschnig

Die Werkreihe von Tumult#05

196 Seiten, 18,90 Euro

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Dokument erstellt am 2018-06-19 17:25:29


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