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Update: 18.07.2018, 16:19 Uhr

Sachbuch

Unruhestifter und Versöhner




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Von Heiner Boberski

  • Zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela erschienen eine Biografie und eine Sammlung seiner Briefe aus dem Gefängnis.




© AP/Peter Dejong © AP/Peter Dejong

Am 5. August 1962 wurde der 44-jährige Anwalt Nelson Mandela, Aktivist des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) in Südafrika, an einer Straßensperre verhaftet. Erst 10.052 Tage später, am 11. Februar 1990, erlangte Mandela als 71-Jähriger, längst zur großen Symbolfigur gegen das südafrikanische Apartheid-Regime geworden, wieder die Freiheit. In diesen mehr als 27 Jahren verfasste der Mann, der an diesem Mittwoch seinen 100. Geburtstag feiern würde, hunderte Briefe, die zum größten Teil noch nie an die Öffentlichkeit gelangt sind und einen tiefen Einblick in die Entwicklung des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas geben.

Mehr als 250 von Mandelas Schreiben, in den letzten Jahren aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, wurden gerade in dem Sammelband "Briefe aus dem Gefängnis" veröffentlicht, herausgegeben von Sahm Venter, Senior Researcher bei der Nelson Mandela Foundation. Im Vorwort schreibt Mandelas Enkelin, die Unternehmerin Zamaswazi Dlamini-Mandela: "Diese Briefe gaben Antwort auf viele Fragen, die mir rätselhaft erschienen waren: Wie konnte mein Großvater siebenundzwanzig Jahre im Gefängnis überleben? Was ließ ihn so lange durchhalten?"

Information

Sachbücher
Nelson Mandela - Briefe aus dem Gefängnis
C. H. Beck Verlag
760 Seiten, 28,80 Euro

Nelson Mandela
Stephan Bierling
C. H. Beck Verlag
416 Seiten, 25,70 Euro

Der Hochverratsprozess

Erklärungen dafür finden sich nicht nur in den Briefen, sondern auch in der exzellenten Biografie von Stephan Bierling, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Regensburg, "Nelson Mandela - Rebell, Häftling, Präsident". Fern davon, ihn als eine Art Heiligen zu glorifizieren, sondern auch seine sachpolitischen Fehler und Schwächen deutlich beim Namen nennend, würdigt Bierling den 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Staatsmann als eine ganz außerordentliche Persönlichkeit mit enormen Verdiensten um sein Land und die Menschheit.

Nelson Mandela kam am 18. Juli 1918 im kleinen Dorf Mvezo bei Qunu in der Transkei zur Welt. Seine Familie - der Name Mandela ging auf den Vornamen seines Großvaters zurück - gehörte dem Madiba-Clan an, einem wohlhabenden Zweig der Königsfamilie innerhalb des Thembu-Stammes. Dieser Stamm zählt zum Xhosa-Volk, der größten ethnischen Gruppe Südafrikas nach den Zulus. Den Namen Nelson bekam Mandela erst in der Missionsschule. Seine Eltern nannten ihn Rolihlahla, was "Unruhestifter" bedeutet, viele andere später nach seinem Clan Madiba, was man mit "Versöhner" übersetzen kann.

Diesen beiden Namen wurde sein Leben in hohem Maß gerecht. Mitunter unterschrieb er auch mit seinem Initiationsnamen beim Xhosa-Volk, Dalibunga, was so viel wie "Gründer des Rates" bedeutet. Als junger Anwalt gehörte er der kleinen schwarzen Bildungselite in Südafrika an und engagierte sich in führenden Funktionen im ANC, der das Machtmonopol der weißen, auf strikte Rassentrennung bedachten Minderheit im Land aufbrechen wollte. Die brutale Unterdrückung der Schwarzen, die ihrerseits nicht nur gewaltfrei für ihre Rechte kämpften, führte schließlich zu einem langen Hochverratsprozess gegen die ANC-Anführer.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-17 16:23:02
Letzte Änderung am 2018-07-18 16:19:13


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