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Update: 18.07.2018, 16:19 Uhr

Sachbuch

Unruhestifter und Versöhner




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Mandela hielt dabei eine vierstündige Rede, an deren Ende er erklärte, er sei bereit, für ein nicht nach Rassen getrenntes demokratisches Südafrika zu sterben. Das Gericht sah von Todesstrafen ab, verurteilte aber Mandela und seine Mitstreiter im Juni 1964 zu lebenslanger Haft.

Präsident Südafrikas

Unter schikanösen Bedingungen - auch die Zahl der Briefkontakte war streng limitiert - behielt der mit großer natürlicher Autorität ausgestattete Nelson Mandela auch im Hochsicherheitsgefängnis Robben Island seine Würde, ließ sich nicht nur als "Häftling 46664" behandeln (unter dieser Nummer gründete er später eine Stiftung gegen AIDS), las viel, bildete sich weiter und ließ sich nicht brechen.

Seine Briefe aus den Gefängnisjahren sind völlig unterschiedlicher Natur - zum Teil an Behörden oder Regierungsvertreter gerichtet, zum anderen Teil an Mitstreiter, Freunde und Angehörige. Der gut aussehende, charismatische Mandela ging dreimal eine Ehe ein - die zweite und längste mit der oft mehr als fragwürdig agierenden "Mutter der Nation" Winnie - und hatte sechs Kinder. Tragisch für ihn war, dass etliche seiner Briefe nicht zugestellt und dass seine Gesuche, 1968 an der Beerdigung seiner Mutter und 1969 an jener seines ältesten Sohnes Thembi, dem Opfer eines Verkehrsunfalles, teilzunehmen, von den Behörden völlig ignoriert wurden.

Die Welt vergaß Nelson Mandela nicht. 1988 fand im Londoner Wembley-Stadion anlässlich seines 70. Geburtstags ein Popkonzert statt, das in 67 Länder übertragen wurde. Als im Herbst 1989 der Kommunismus zusammenbrach, ließ auch in Pretoria die Furcht vor dessen möglichem Einfluss auf Südafrika nach. Die Regierung bemühte sich schon seit Jahren um einen Dialog mit den Schwarzen, um aus der internationalen Isolation herauszukommen, nun rückte sie vom Apartheid-System ab und gab am 15. Oktober 1989 die im Jahr 1964 verurteilten ANC-Aktivisten frei - bis auf Mandela, für den sich erst im Februar 1990 die Gefängnistore öffneten.

Im Mai 1994 wurde Nelson Mandela als Präsident Südafrikas vereidigt und leistete in dieser Funktion bis 1997, aber auch noch danach - seine Nachfolger erreichten nicht annähernd sein Format - als moralische Instanz ungeheuer viel für den Frieden und die Versöhnung im bis dahin mit politischer Gewalt von allen Seiten aufgeladenen Südafrika. Seinen letzten großen Auftritt hatte er 2010 in Johannesburg beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft, die ohne sein Werben dafür sicher nicht in Südafrika ausgetragen worden wäre. Nelson Mandela starb am 5. Dezember 2013 in seinem Haus in Houghton in Johannesburg.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-17 16:23:02
Letzte Änderung am 2018-07-18 16:19:13


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