• vom 24.07.2018, 18:18 Uhr

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Update: 24.07.2018, 18:37 Uhr

Jugendroman

Die Sorgen eines jungen weißen Mexikaners




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Von Mathias Ziegler

  • Benjamin Alire Sáenz: "Die unerklärliche Logik meines Lebens" oder wie man sich als Pseudo-Migrant im Süden der USA durchs Leben schlägt.



Salvadore, genannt Sal, hat es nicht leicht als Sohn eines schwulen mexikanischen Künstlers im Süden der USA - wohlgemerkt: als adoptierter Sohn eines schwulen mexikanischen Künstlers. Denn Sals alleinerziehende Mutter ist gestorben, als er ein Kleinkind war, und sein Adoptivvater war ihr bester Freund und hat sich seither um Sal gekümmert. Was für Sal nun einerseits bedeutet, dass er den liebevollsten Dad hat, den man sich vorstellen kann, aber andererseits, dass er ein doppelter Außenseiter ist: Denn in der Schule rufen sie ihm "Schwuchtel" nach, und dazu kommt, dass er eigentlich ein Gringo unter mexikanischen Migratent ist. Und als ob das alles nicht schlimm genug wäre, liegt in seinem letzten Highschool-Jahr auch noch seine Großmutter im Sterben. Ausgrenzung und Verlust bestimmen also derzeit sein Leben - wie auch das seiner beiden besten Freunde Samantha und Fito, die charakterlich nicht gegensätzlicher sein könnten, die aber das Schicksal verbindet, ohne Vater aufzuwachsen.

Benjamin Alire Sáenz' mehr als 500 Seiten starke Erzählung über die Sorgen eines jungen weißen Mexikaners braucht eine gewisse Eingewöhnungsphase. Nach den ersten paar Seiten überlegt man, ob man sich das Buch wirklich antun soll. Trifft man die richtige Entscheidung, ist man bald gefangen von der Tiefe und Schwere, die der Roman mit sich herumträgt, die aber in bestechende Einfachheit verpackt sind. Es sind die Gedanken eines Teenagers, der nach den Sternen greift, während unter ihm der Boden einstürzt. Es ist eine berührende Geschichte über das Erwachsenwerden, über das Abschiednehmen, über das Trauern - und über die Liebe zu den Menschen, die einem am wichtigsten sind.

Benjamin Alire Sáenz:
Die unerklärliche Logik meines Lebens
Thienemann; 511 Seiten; 17,50 Euro




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-24 18:36:38
Letzte Änderung am 2018-07-24 18:37:33


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