• vom 10.09.2018, 07:38 Uhr

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Roman

Eine Frau in einer Männerdomäne




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Von Mathias Ziegler

  • Petra Durst-Benning beschreibt in "Die Fotografin" die deutsche ländliche Gesellschaft kurz nach der Jahrhundertwende.



Minna Reventlow hat es nie gegeben - sie kann aber als prototypische Figur für eine starke Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts herhalten. Denn Petra Durst-Benning lässt die Pastorentochter ihre Leidenschaft für die Fotografie in einer Zeit ausleben, in der das Metier von Männern dominiert wurde. Unbeeindruckt von gesellschaftlichen Widerständen geht sie ihren Weg, der sich als steinig erweist - umso mehr, als Minna einen Heiratsantrag ausschlägt und stattdessen lieber alleinstehend als Fotografin durchs Land zieht. Irgendwann wird sie aber doch sesshaft, nachdem sie bei ihrem alten, kranken Onkel (der einst die Liebe zur Fotografie in ihr geweckt hat) hängen geblieben ist. Und als Frau von Welt aus gutem Hause tut sie sich zunächst denkbar schwer damit, sich in die archaische Dorfgemeinschaft einzufügen. Noch dazu, wo sie mit ihren "natürlichen" Bildern (der Ausdruck sorgt für allerlei Missverständnisse mit Männern) keine "normale" Fotografin ist, sondern auch in handwerklicher Hinsicht völlig neue Wege geht, die ihr zwar schon Ruhm gebracht haben, aber auch auf große Skepsis stoßen. Denn nicht jeder versteht Minnas neue Ansätze weg von der gestellten Steifheit der Porträtaufnahmen.

Petra Durst-Benning bleibt ihrer bisherigen Linie als Autorin treu und geht sogar einen Schritt weiter: Diesmal bekommen ihre Leserinnen und Leser nämlich nicht bloß einen Historienroman serviert, sondern dieser hat auch noch einen regionalen und sozialen Beigeschmack, weil es nämlich insbesondere um die Situation der Leinenweber in Laichingen auf der Schwäbischen Alb um 1911 geht - das Ganze natürlich mit einer weiblichen Hauptfigur, die sich gegen sämtliche Widerstände durchsetzt, Niederlagen inklusive. Dass es um das Thema Fotografie geht, hat auch mit der Leidenschaft der Autorin selbst zu tun, die als Kind kaum etwas mehr geliebt hat, als in die historischen Aufnahmen im Antiquitätengeschäft ihrer Eltern einzutauchen, wie sie im Nachwort erzählt. Band zwei ist übrigens bereits in Arbeit. Denn Minnas Freigeist steckt auch einen jungen Bewohner von Laichingen an - aber das ist eine andere Geschichte . . .

Petra Durst-Benning: Die Fotografin - Am Anfang des Weges
Blanvalet; 448 Seiten; 20,60 Euro





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-24 14:59:24
Letzte Änderung am 2018-08-24 15:02:42


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