• vom 21.09.2018, 07:05 Uhr

Bücher aktuell

Update: 21.09.2018, 07:29 Uhr

Knickerbocker-Bande

Dann bitte lieber doch Tom Turbo




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Mathias Ziegler

  • Mit "Schatten der Zukunft" tut Thomas Brezina leider weder seinem Werk noch vielen Fans etwas Gutes.



Thomas Brezina gehört zu den erfolgreichsten Kinderbuchautoren der Welt. Genau deshalb erweist er seinem Werk und vielen Fans mit der neuen Serie "Die Knickerbocker-Bande 4 immer" einen Bärendienst. Das offenbart auch Teil 2, "Schatten der Zukunft".

Eines vorweg: Wir haben sie geliebt, die Knickerbocker! Wir haben mitgefiebert mit A-a-axel (ja, er hat oft gestottert, aber er war eine echte Sportskanone), Lilo (dem Superhirn der Bande), Poppi (dem schüchternen, aber liebenswerten Nesthäkchen) und Dominik (der immer altklug gestelzt geredet hat) in den Neunzigern. Wir haben alle Bücher über sie verschlungen und jedesmal sehnsüchtig auf das nächste Abenteuer gewartet.

Aber wir sind genauso wie die vier erwachsen geworden und wollen jetzt eben keine Bücher für Elfjährige mehr lesen. Genau das ist aber das Problem. Denn nach mehr als 560 Kinderbüchern hat Brezina eben seinen Stil gefunden, und der lässt sich sichtlich nicht so einfach abändern. So liest sich auch "Schatten der Zukunft" sehr strange: Die Handlung ist brutal und 2018, die Sprache allerdings kindlich und 1990. Da stecken die Knickerbocker in enormen Schwierigkeiten, weil gleich mehrere Erzfeinde sie durch Intrigen vernichten wollen (etwa durch einen Komplott, der sie zu den größten Cyber-Kriminellen der Geschichte machen soll), wobei lange nicht sicher ist, ob sie nicht sogar sterben sollten; gleichzeitig knistert es zwischenmenschlich, weil Sporttrainer Axel und Uni-Mitarbeiterin Lilo das "Er liebt mich, er liebt mich nicht"-Spiel spielen, Tierärztin Poppi vom Ehemann betrogen wird und Dominik als Schauspieler zum Alokoholiker geworden ist (ja, die beruflichen Entwicklungen sind absolute Klischees, aber wenigstens entwicklungstechnisch stringent). Und dann erzählt Brezina seine Geschichte in einem Ton, als hätten wir noch nie einen Laptop in der Hand gehabt und hätten bestenfalls unseren ersten Kuss hinter uns.

Immerhin ist der neue Plot nicht mehr ganz so abstrus konstruiert wie der erste ("Alte Geister ruhen unsanft"). Dennoch ist man bald genervt, weil er sich zieht wie ein Strudelteig und der Autor künstlich die Spannung aufrecht zu erhalten versucht. So erfährt Lilo von Axels Tochter etwas über ihre Beziehung zu ihm - aber was, das erfährt man auch nach mehrmaligen Rückgriffen im Zuge der Handlung darauf lange Zeit nicht. Und auch bei den Gegnern ist immer irgendjemand aktiv, von dem man sich erst mühsam zusammenreimen muss, wer er ist und was ihn mit den Knickerbockern verbindet. So quält man sich fast 400 Seiten lang durch ein Buch, das man vielleicht vor 25 Jahren gerne gelesen hätte, bei dem man aber heute nur noch hofft, dass endlich die Auflösung daherkommt. Und das man auch nicht den eigenen Kindern geben kann, weil die wiederum noch zu klein für den Plot sind.

Insofern würde man sich von Brezina lieber neue Abenteuer von Tom Turbo wünschen. Das sprechende Super-Fahrrad kann wenigstens nicht altern und müsste dadurch zwangsläufig auch heute noch kindgerecht sein. Denn Brezinas natürliche Zielgruppe ist einfach noch minderjährig. Die Leser von früher sollte er am besten ziehen lassen. Sie werden seine Bücher auch so kaufen - halt für die eigenen Kinder. Und dass er denen besten Lesestoff liefern kann, hat er schon oft genug bewiesen.

Thomas Brezina:
Die Knickerbocker-Bande 4 immer: Schatten der Zukunft
Ecowin; 399 Seiten; 20 Euro





1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-21 07:17:27
Letzte Änderung am 2018-09-21 07:29:37



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. täglich
  2. Bohemien und Intellektueller
  3. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
Meistkommentiert
  1. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
  2. Rosamunde Pilcher verstorben
  3. Hach, ist das schön!

Werbung




Werbung