• vom 23.09.2018, 15:00 Uhr

Bücher aktuell

Update: 23.09.2018, 15:03 Uhr

Sachbuch

Reich an Ressourcen




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Hans Pechar

  • Philosoph Neuhäuser für Wohlstandsgesellschaft für alle.

Die wachsende Kluft bei Einkommen und Vermögen hat eine Fülle sozialwissenschaftlicher Studien angeregt, zumeist mit Fokus auf Armut. Der Philosoph Christian Neuhäuser dreht den Spieß um und befasst sich aus ethischer Perspektive mit Reichtum. In Analogie zum Konzept relativer Armut - die sich am Abstand zum Median einer Volkswirtschaft bemisst - spricht er von relativem Reichtum, den er bei 300 Prozent über dem Medianwert ansetzt.

Reich ist demnach, wer über mehr Ressourcen verfügt, als zur Selbstachtung nötig sind. Aber wann wird daraus ein moralisches Problem? Ab jener Höhe, so Neuhäuser, bei der exzessiv zur Schau gestellter Reichtum den Armen ihre Minderwertigkeit signalisiert und ihre Selbstachtung schädigt. Übermäßiger Reichtum schwächt darüber hinaus die Demokratie, denn die Stimme der Reichen zählt mehr als die der Armen. Diese Attribute von Reichtum sind sozial spaltend. Neuhäuser plädiert nicht für Askese, sondern für eine Wohlstandsgesellschaft, an der alle teilhaben.

Information

Sachbuch

Reichtum als moralisches Problem

Christian Neuhäuser

Suhrkamp, 281 Seiten, 20,60 Euro

Was tun gegen die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich? Neben Argumenten für eine hohe Erbschaftssteuer greift Neuhäuser auch die Idee der Freigeldtheorie auf, welche ein "Verfallsdatum" für Geld fordert: Wenn es zu einem bestimmten Stichtag nicht in den produktiven Wirtschaftskreislauf eingespeist wird, sollte es an Wert verlieren. Aus neoliberaler Sicht sind solche Argumente nur Ausdruck einer Neiddebatte. Aber das sich ausbreitende Ressentiment gegen "die da oben" verweist auf ihre Aktualität.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-21 16:45:21
Letzte Änderung am 2018-09-23 15:03:53


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. b + s
  2. Ewiger Mythos Paris
  3. Schriftsteller Wilhelm Genazino ist tot
Meistkommentiert
  1. Das mörderische Internet der Dinge

Werbung




Werbung