• vom 03.11.2000, 00:00 Uhr

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Update: 02.03.2005, 09:01 Uhr

Pop-CD

Madonna: Music




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Von Gerald Schmickl

  • "American Pie" für Europäer

http://www.wienerzeitung.at/bilder/pop/madonnamusic.jpg Das Cover des neuen Madonna-Albums legt eine falsche Fährte: Madame Ciccone als adrettes Cowgirl lässt eine Folk- oder Country-Scheibe erwarten. Wäre ja durchaus möglich: Wandlung, Überraschung, Metamorphose waren schon bisher stete Begleiter in der Karriere dieser nicht festzulegenden Sängerin. Aber nichts da, kein Nashville-Sound, kein Geschrumme, stattdessen ein weiteres höchst zeitgemäßes Album.


Nach "Ray of Light", das vor zwei Jahren Madonna auf der Höhe aktueller elektronischer Trends zeigte, ist nun auch "Music" im Stil der späten Neunziger gekleidet (also ganz im textilen Gegensatz zu ihrer Protagonistin). Neben William Orbit, der beim Vorgänger an den Reglern saß und auch diesmal drei Nummern produzierte, ist es vor allem der französische Performer, Producer und Remixer Mirwais Ahmadzai, der "Music" ein ambitioniertes, vielsprachiges Klangidiom verleiht. Vor allem die ersten beiden Nummern, "Music" und "Impressive Instant", verwandelt er in brodelnde Dancefloor-Raketen.

Madonnas Stimme wird durch Vocoder und allerlei elektronische Kanäle gejagt, kommt aber überraschender Weise doch immer wieder unverkennbar zur Geltung.

Das ist ja das eigentlich Charakteristische an dieser seit Jahren erfolgreichsten Popkünstlerin der Gegenwart: dass sie bei allen mimetischen Anverwandlungen an Trends, Images und Moden doch stets eigenständig und im Kern unverwechselbar bleibt. So auch auf diesem Album, wo sie spätestens ab der dritten Nummer alle episodischen Verfremdungen abschüttelt und zum typischen Madonna-Songformat findet: das Tempo wird gedrosselt, die Sounds zurückgedreht, die Kulissen nach hinten geschoben - und vorne weg the one and only M.

Es sind durchwegs überzeugende, wenngleich nicht immer hittaugliche Nummern, die dieses Album fortführen - bis zum seltsamen Appendix "American Pie", der nur der europäischen Ausgabe anhängt (die Amerikaner bleiben davon verschont. Die Japaner haben dafür einen "Cyberraga"-Abschluss, eine Koproduktion mit dem Inder Talvin Singh, zu verkraften). Ja, der Don McLean-Klassiker wirkt ziemlich deplatziert, obwohl man sich weitaus schlimmere Fassungen als jene von Madonna und Orbit, der den Song dezent hintergründig blubbernd anlegt, vorstellen kann. Aber wie und wozu auch immer, den Gesamteindruck kann auch das nicht wirklich trüben, dafür sind die restlichen zehn Nummern allesamt Nägel mit Köpfen. Und da passt sogar ein Cowboyhut drauf.
Madonna: Music (Warner).




Schlagwörter

Pop-CD, Musik, Pop, CD

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2000-11-03 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-02 09:01:00


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