• vom 04.12.1998, 00:00 Uhr

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Update: 26.08.2011, 12:27 Uhr

Musik

Manson, Marilyn: Mechanical Animals




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Von Francesco Campagner

  • Nikolo zum Krampus

Die 70er sind am Ende der 90er auferstanden. Die Jugend findet sich wieder zahlreich in den Diskotheken dieser Welt ein, und Rockstars entdecken erneut die Lust am Schockieren der Öffentlichkeit. Hießen die bösen Buben früher u. a. Alice Cooper und David Bowie, so sorgt nun Marilyn Manson für die notwendige Entrüstung, mit der es noch immer möglich ist, populär zu werden.


In den Vereinigten Staaten schaffte der Horrorjüngling bereits mit seinem neuesten Album "Mechanical Animals" den Sprung zur Nummer 1, in Europa fällt es Manson schon schwerer, den Durchbruch zu schaffen. Schon der Name, mit dem in den USA gleich jedermann Marilyn Monroe und den Satansverehrer Charles Manson assoziiert, ist in unseren Breiten nicht auf den ersten Blick als bedeutungsschwanger zu erkennen. Doch Mansons Gehabe als Retter des "Rock 'n' Roll", sein Outfit und Image könnten auch in Europa bald für eine Renaissance des längst vergessenen "Glam-Rock" sorgen.

Der nun in Los Angeles lebende Amerikaner hält mit seiner Vorliebe für die Helden der frühen 70er · David Bowie, T. Rex und Kiss · nicht hinterm Berg. Musikalisch bietet Brian Warner, so Mansons bürgerlicher Name, einen rauhen, schweren Rock ohne Schnörkeln, aber auch ohne Genialität. Die Kraft liegt in der Inszenierung und in den Texten, die sich um Sex und Religion drehen. Themen eben, deren bloße Erwähnung in puritanischen Kreisen heftigste Reaktionen auslöst.

"Antichrist Superstar"

Doch der Rock-Beelzebub, der mit seiner vorletzten Platte "Antichrist Superstar" den Durchbruch in den USA schaffte, setzt neuerdings stärker auf melodische Klänge, um seine jugendgefährdenden Texte mehr Menschen näherzubringen. Songs wie "I Don't Like The Drugs (But The Drugs Like Me)" oder "Rock Is Dead" ("Your sex and your dope is all that we're fed") halten das, was seine amerikanischen Fans erwarten. Der neue, an Bowies "Ziggy Stardust" angelehte Look, die stärkere Betonung des Glam-Rock-Aspekts sollen nun eine Art Gegengewicht zum bisherigen Image bilden, um auch außerhalb der USA eine Fan-Gemeinde zu erobern. Ob dies gelingt, wird sich am Sonntag in Wien weisen. Denn der Rock-Krampus tritt zu Nikolo in der Libro-Music-Hall auf. Zumindestens die Schoko-Nikoläuse werden diesen Abend fürchten.

Marilyn Manson: Mechanical Animals (Universal).




Schlagwörter

Musik, Pop, CD, Pop-CD

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 1998-12-04 00:00:00
Letzte Änderung am 2011-08-26 12:27:40


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