• vom 07.09.2012, 14:36 Uhr

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Update: 07.09.2012, 15:19 Uhr

Musikkritik

Laibach: Reproduction Prohibited




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Von Uwe Schütte

  • Beatlessongs im Marschrhythmus
  • Bei der slowenischen Pop-Formation Laibach kommen Kunst und Aufklärung auf zündende und eingängige Weise zusammen, wie eine Auswahl ihrer Arbeiten aus drei Jahrzehnten zeigt.

Sind für ihre martialisch wirkenden Auftritte bekannt, die aber durchaus oft auch (selbst-)ironisch ausfallen: Laibach. - © SILVO SALCNIK

Sind für ihre martialisch wirkenden Auftritte bekannt, die aber durchaus oft auch (selbst-)ironisch ausfallen: Laibach. © SILVO SALCNIK

Die bösen Buben und Mädchen aus Ljubljana haben in den letzten Jahren eine erstaunliche Renaissance erlebt. Insbesondere dank des kongenialen Soundtracks zur Sci-Fi-Nazi-Komödie "Iron Sky" dürften Laibach ein neues und jüngeres Publikum erobert haben, so dass sich auf den martialischen Konzerten, mit denen die Band derzeit Europa überzieht (am Sonntag in Wien), nicht nur gestreng dreinblickende Herren in Uniformen, sondern auch einige Hipster tummeln dürften, die Geschmack an dem (selbst-)ironischen Bandkonzept gefunden haben.

Bevor Laibach also mit dem langerwarteten "Revisited"-Doppelalbum weitermachen auf ihrem eigensinnigen Propagandafeldzug gegen die "political correctess", bietet es sich heuer an, einen Rückblick auf das Erreichte zu halten. Immerhin ist es ja durchaus eine Leistung, dass die Formation bereits seit mehr als drei Jahrzehnten mit ihrem totalitären Styling gezielt Verwirrung stiftet unter jenen Kunstwächtern, die alles in saubere Kategorien einordnen wollen.

Information

Laibach: Reproduction Prohibited. (Mute)
Laibach treten am 9. September in der Wiener Arena auf.


Mit der sinnigerweise "Reproduction Prohibited" betitelten Kompilation herausragender moments musicaux der anderen Art aus den letzten Jahren der Bandgeschichte gelingt das aufs Allergelungenste.

Laibachs Stärke sind bekanntlich entstellende Coverversionen bekannter Pophits. Nichts ist vor ihrem Zugriff sicher. Und das ist gut so. Auf "Reproduction Prohibited" bilden die rekontextualisierenden Neuinterpretationen auch das Schwergewicht der von der Band selbst vorgenommenen Auswahl. So hören wir etwa mit "Germania" die grandiose Pathosversion der deutschen Nationalhymne, die sich ebenso wie "Anglia,", eine höhnische Verfremdung von "God Save The Queen", auf dem 2004er Album "Anthems" befand. Hier wie dort werden zwei überselbstbewusste Nationen von den Slowenen auf das ihnen angemessene Maß zurechtgestutzt.

Hommage an Kraftwerk
Dass das Covern eines Songs eine höhere Form der Huldigung darstellt, braucht kaum betont zu werden. Der massiv stampfende Opener "Warme Lederhaut" ist eine bedrohliche Neufassung von "Warm Letherette", jener Single von Daniel Miller, zu deren Veröffentlichung er sein eigenes Label gegründet hat, Mute, auf welchem Laibach seit 1987, neben Künstlern wie Depeche Mode oder Nick Cave, eine dauerhafte musikalische Heimat gefunden haben. Auf Mute erschienen in den Achtzigerjahren auch die revolutionären Alben der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft, mit deren alternativem Überhit "Mussolini".

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Schlagwörter

Musikkritik, Pop-CD, Rezension, Extra

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-09-07 14:41:07
Letzte Änderung am 2012-09-07 15:19:50



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