• vom 28.09.2016, 11:27 Uhr

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Update: 29.09.2016, 10:16 Uhr

Musik-CD

"Gfeanzte Lieder"




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Von Mathias Ziegler

  • Die Formation Die Entspannten legt ihre erste Live-CD vor.

Die Entspannten (Wolfgang Rohorzka, Roman Wieser, Friedrich Zach und Kurt Huber) verzichten bewusst auf ein Keyboard.

Die Entspannten (Wolfgang Rohorzka, Roman Wieser, Friedrich Zach und Kurt Huber) verzichten bewusst auf ein Keyboard.© Wolfgang Maresch-Zencica Die Entspannten (Wolfgang Rohorzka, Roman Wieser, Friedrich Zach und Kurt Huber) verzichten bewusst auf ein Keyboard.© Wolfgang Maresch-Zencica

Es war im Jahr 2011, da haben sich vier Herren jüngeren bis mittleren Alters zusammengefunden und eine Band gegründet. Und ihrem Lebensgefühl entsprechend lag der Name eigentlich auf der Hand: Die Entspannten. Das Quartett spielt laut Eigendefinition "ehrliche (und damit automatisch ziemlich ‚gfeanzte‘) Lieder ohne technischen Firlefanz". Und wie es sich für urösterreichische Liedermacher gehört, in deutscher Umgangs- und Dialektsprache, puristisch begleitet von klassischen Unplugged-Band-Instrumenten (Gitarren, Percussions und Bass).

Fünf Jahre später haben Wolfgang "Roger" Rohorzka, Kurt "Kubi" Huber, Friedrich "Friedl" Zach und Roman Wieser sich mit Hilfe ihres Technikers Wolfgang Maresch-Zencica genug Lieder beisammen, dass die Produktion einer eigenen CD gerechtfertigt erschien. Und das Live-Album "Fürs Erste amoi" gibt ihnen recht. Denn die vier Musiker beweisen in den 16 Liedern nicht nur, dass der Bandname stimmig ist und sogar der Stehbassist daraus das Recht ableitet, beim Musizieren zu sitzen, sondern auch, dass sie mit ihren Texten das Ohr am Puls der Zeit haben.

Information

Die Entspannten:
"Fürs Erste amoi . . . (live)"
(Stella Music Studio / Z-Mix)
www.dieentspannten.at


Im "Berufsleiden-Blues" machen sie Witze über (auch ihre eigenen)
Berufe, in "Warum bin i a Lehrer wurn?" spielen sie mit diversen
Klischees (zwei der vier sind Lehrer), sie machen Sport – oder auch
nicht ("Rumpfdrehbeuge"). Sie hüpfen von einem musikalischen Genre ins andere ("I wü net taunzn" wechselt die Takte vermutlich öfter als die
vier Musiker ihre Unterwäsche). Und worum es im Lied "Zellulite" geht,
das ihre Fans unbedingt auf der CD drauf haben wollten, braucht wohl
nicht erklärt zu werden. Aber es kommt neben Alltags- und sonstiger
Satire auch wirklich bissige Gesellschaftskritik vor, etwa wenn in "Drin
im Heim" ein alter Mensch in die sogenannte Seniorenresidenz
abgeschoben wird. Den ernstesten Kontrapunkt im Repertoire der Entspannten vermisst man allerdings auf der CD: "Made in Vietnam" bietet einen Blick von außen auf das Österreicher-Ehefrauen-Dasein einer Katalog-Asiatin. Aber vielleicht findet es sich ja dann auf der nächsten CD wieder (und bis dahin wird es sicher bei den Live-Konzerten gespielt).

Die meisten Lieder stammen aus der Feder von Kurt Huber, arrangiert werden sie dann gemeinsam von den vier Bandmitgliedern, die alle ihre einschlägigen musikalischen Erfahrungen – zum Teil in anderen Bands – gesammelt haben. Konkrete Vorbilder haben sie keine, auch wenn bisweilen Anklänge von Reinhard Mey genauso zu hören sind wie von Willi Resetarits und Genre-Verwandten.

Dass es die Entspannten überhaupt gibt, ist übrigens wie so vieles dem Zufall zu verdanken. Denn Kurt Huber und Wolfgang Rohorzka haben gemeinsam maturiert und einander dann für Jahrzehnte aus den Augen verloren. 2010 trafen Sie einander dann wieder und beschlossen, ab jetzt gemeinsam Musik zu machen. "Wir haben unsere Formation ganz absichtlich ohne Keyboards gegründet, nur mit Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Percussions und Stehbass", erklärt Rohorzka, der über die neue Live-CD sagt: "Die ist ganz bewusst nicht fehlerfrei. Uns war wichtig, den Live-Charakter zu erhalten, wir haben deshalb auch nicht alles noch einmal ausgeputzt."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-09-28 11:28:15
Letzte Änderung am 2016-09-29 10:16:48



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