• vom 18.03.2018, 11:00 Uhr

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Pop-CD

Kantilenen einer Rasselbande




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Von Gerald Schmickl

  • Voller Spielfreude: "In Your Own Sweet Time", das fünfte Album der Fratellis.



Information

The Fratellis
In Your Own Sweet Time
(Cooking Vinyl/Sony)

Es war schon höchst an der Zeit, der Gesangskunst der tirilierenden "Ooh Oohs" und "Hiih Hiihs" wieder mal ein nachdrückliches akustisches Denkmal zu setzen. Nun denn, die Fratellis, das nur namentlich italianisierte (und pseudo-brüderhafte) Trio aus Glasgow, gibt auf "In Your Own Sweet Time", seinem fünften Album, in dieser Hinsicht wahrlich sein Bestes. Gleich Nr. 2, "Starcrossed Losers", wird von hochgesungenen Kantilenen förmlich überwölbt. Ein schmissiger Song mit einem hinreißenden Romeo-&-Juliette-Refrain, bei dem die "Hiih Hiih"-Falsetti zum Schluss noch in einen wilden Streicherwirbel hineingezogen werden . . . All das geht erstaunlich gut - wie nahezu alles auf dieser Platte, die vor Spielfreude und handwerklich altmeisterlichen Rock-’n’-Roll-Tugenden nur so birst.

2005 gegründet und mit dem Debüt "Costello Music" Gewinner des Brit Awards als Best British Breakthrough Act (ihren einstigen Smash-Hit "Chelsea Dagger" haben vor allem FC-Bayern-Fans im Ohr, erklingt er doch bei jedem Tor ihrer Mannschaft, also oft!), erweisen sich The Fratellis bis heute als eine der verlässlichsten integrativen und traditionalistischen Kräfte nicht nur britischen Musikschaffens. Ihr Radius reicht - wie auch hier schön ausladend zu hören - bis in die Glamrockära der 70er zurück, also zu Bands wie T. Rex, Slade oder Mud, andererseits bis zu Acts wie The Strokes oder The Vaccines herauf. Auch Anklänge an Feinschmecker-Bands wie Supergrass oder The Brandos kann man in einzelnen Momenten vernehmen. Und der Abschlusssong, "I Am That", ginge auch als getragene Led-Zeppelin-Meditation durch.

Interessant, dass Jon Fratelli (eigentlich John Lawler), kreativer Kopf der Rasselbande, dessen Stimme klingt, als sei sie zu nichts anderem gemacht als zum Singen rockiger Refrains (und "Hiih Hiihs"), seine Songs allesamt am Laptop entwirft. So klingen sie nämlich gar nicht - riffgetrieben und shuffle-zappelig, wie sie sich im Endeffekt erweisen.

Von avancierter Elektronik oder sonstigem Neuen ist hier nichts zu hören, aber dafür hat schon lange keine Platte mehr so viel Spaß gemacht wie diese.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-15 16:34:02
Letzte Änderung am 2018-03-15 16:48:25



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