• vom 15.05.2009, 13:35 Uhr

Musik

Update: 15.05.2009, 13:45 Uhr

Klassik-CD

Friedrich Klose: Ilsebill




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Edwin Baumgartner

  • Die längst vergessene Erfolgsoper
  • "Ilsebill" von Friedrich Klose war knapp nach der Wende zum 20. Jahrhundert ein Fixpunkt im Repertoire der deutschen Opernhäuser. Heute kennt man den Komponisten kaum dem Namen nach.

Herrlicher kann die nachromantische Oper nicht klingen!

Herrlicher kann die nachromantische Oper nicht klingen! Herrlicher kann die nachromantische Oper nicht klingen!

In einem alten Opernführer, Auflage 1938, wird das Werk gerühmt, und mein Großvater, immerhin Kompositionsschüler Franz Schrekers, setzte mit Bleistift hinzu: "Meisterwerk!!!" Die so gelobte Oper ist die 1903 uraufgeführte "Ilsebill" des Bruckner-Schülers Friedrich Klose. Sollte ein Schatz, durch welche Umstände auch immer, in die hintersten Winkel der Archive geraten und dort vergessen worden sein?


Dank eines musikalisch untadeligen, von Markus Bosch mit merklicher Begeisterung dirigierten Mitschnitts einer Produktion der Oper von Aachen kann man sich nun selbst ein Bild

machen.

Klose beherrscht vor allem eines: Die Klangfarbe. Das Orchester übertrumpft in seinem Funkeln und Leuchten sogar die Klangpalette Richard Strauss´. Der Tonfall gemahnt - wenig verwunderlich bei einer Märchenoper der deutschen Nachromantik - an Humperdinck, und wie bei diesem, so hat auch bei Klose Richard Wagner deutliche Spuren hinterlassen.

Dennoch gibt es da auch einen eigenen Tonfall, eine seltsame Überhöhung des Schlichten bis zu seiner Brechung. Es gibt grandiose Steigerungen, und etwas ähnlich Grandios-Schönes und zugleich Erschreckendes wie das Vierte Bild findet sich in lediglich rund zehn Jahre später in den Opern Franz Schrekers.

Für Freunde der nachromantischen Oper eine unverzichtbare Aufnahme. Sie werden dem rührigen Label auch gerne verzeihen, dass es das Märchen den Brüdern Grimm zuschreibt, obwohl es von Otto Runge stammt.

Friedrich Klose: Ilsebill. cpo, 2 CD, ca. 30 Euro.




Schlagwörter

Klassik-CD

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-05-15 13:35:47
Letzte Änderung am 2009-05-15 13:45:00


Klassik-CDs

A B D E G H I J K M N P R S V W Z


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die neue Einstimmigkeit
  2. "Euryanthe" als packendes Kammerspiel
  3. Eine wunderbare Reise zu den Ursprüngen von Jethro Tull
  4. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  5. Roland Kluttig neuer Chefdirigent an der Oper Graz
Meistkommentiert
  1. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  2. Die neue Einstimmigkeit
  3. Zappas illustres Erbe
  4. Ozzy Osbourne wird 70:
    Der Mann, der Tieren den Kopf abbiss
  5. Eine wunderbare Reise zu den Ursprüngen von Jethro Tull


Werbung