• vom 07.11.2018, 16:51 Uhr

Klassik/Oper

Update: 07.11.2018, 17:10 Uhr

Konzertkritik

Ligetis Etüden, nicht nur für die Finger




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Lena Dražić


    Manchen Klavierschüler hat das erzwungene Üben von Etüden ins Schwitzen gebracht. Auch wenn Komponisten wie Liszt oder Chopin die Etüde zur vollwertigen Kunstform erhoben haben, bleibt die ihr innewohnende Schwierigkeit kein bloßes Nebenprodukt der künstlerischen Aussage, sondern ist durchaus beabsichtigtes Ziel. So auch bei György Ligeti, der seine "Études pour piano" laut eigener Aussage als Reaktion auf sein Unvermögen auf dem Tasteninstrument komponierte - eine radikale Kompensationshandlung, die eines der anspruchsvollsten Werke der Klavierliteratur hervorbrachte.

    Der Pianist Pierre-Laurent Aimard hat es sich in kongenialer Weise zu eigen gemacht und nun im Rahmen von Wien Modern zum insgesamt zweiten Mal im Konzerthaus präsentiert. Um das unvollendet gebliebene dritte Buch der Etüden bestmöglich zu integrieren, änderte Aimard die Reihenfolge der Stücke und schlug so eine höchstpersönliche Schneise durch das Werk. Vom fast impressionistisch anhebenden, Gamelan-Musik evozierenden "Galamb Borong" führte der atemberaubende Parcours über das polyrhythmische "Désordre" bis zum obsessiv einen chromatischen Anstieg beschwörenden "L’escalier du diable". Dabei war oft kaum zu glauben, dass das komplexe Gewirr aus Stimmen, Metren und Rhythmen durch bloß zwei Hände hervorgebracht wurde. Im anschließenden Gespräch mit Rico Gulda erklärte sich Aimard durchaus erfreut, dass immer mehr junge Pianisten Ligetis Etüden spielen würden - die Frage sei nur, ob bloß die Finger zur Stelle wären oder eine ganze poetische Welt. Bei Aimard war fraglos beides zugegen.

    Information

    Konzert

    Pierre-Laurent Aimard

    Wiener Konzerthaus





    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
    Dokument erstellt am 2018-11-07 17:01:06
    Letzte Änderung am 2018-11-07 17:10:05


    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Viel Luft nach oben in der Engelsburg
    2. Es war doch alles ganz anders
    3. Gegenwind für Donald Trump
    4. Florenz ist anders
    5. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
    Meistkommentiert
    1. "Selbstbewusst einen lauten Schas lassen"
    2. Menasse bekommt trotz Kritik Zuckmayer-Medaille
    3. Roman unter Wahrheitspflicht
    4. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
    5. Led Zeppelin: Als das Luftschiff fliegen lernte

    Werbung




    Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

    Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

    Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913


    Werbung