• vom 15.11.2018, 16:44 Uhr

Klassik/Oper

Update: 15.11.2018, 16:59 Uhr

Konzertkritik

Im Meer der Bedeutungen




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Lena Dražić

  • Olga Neuwirths Bühnenwerk "The Outcast" bei Wien Modern.

Ein Knabenchor, orchestrale Klangflächen, Orgelspiel, eine verstimmte E-Gitarre, polyphoner Chorsatz, düstere Elektronik, ein Countertenor . . . es sind ganz schön viele unterschiedliche Klang- und Assoziationsräume, mit denen Olga Neuwirth das Publikum in "The Outcast" konfrontiert. Die Komplexität scheint geradezu das Grundprinzip des "musicstallation-theatre" zu sein, das 2012 in Mannheim uraufgeführt wurde und nun bei Wien Modern in einer revidierten, konzertanten Fassung zu erleben war.

"The Outcast" ist die bisher opulenteste Manifestation von Neuwirths Faible für Jean-Pierre Melville, den die Komponistin nicht nur wegen seines wegweisenden literarischen Schaffens, sondern auch aufgrund seiner sozialkritischen Haltung bewundert. Melvilles bekanntestes Werk "Moby Dick" nimmt auch in "The Outcast" eine zentrale Stellung ein. Dass "The Outcast" dennoch mehr oder auch etwas ganz anderes ist als eine Opernfassung von "Moby Dick", verrät schon der Umstand, dass neben Figuren aus dem Roman auch "Old Melville" (hier verkörpert von dem Schauspieler Johan Leysen) und der durch seine Verweigerungshaltung notorisch gewordene Melville-Charakter Bartleby die Bühne bevölkern.

Information

Konzert

The Outcast
Von Olga Neuwirth

Tauwerk und ein hohes Sängerniveau

Die bereits für sich genommen äußerst dichte Textebene, für die neben Anna Mitgutsch und der Komponistin der auch für David Lynch tätige Barry Gifford verantwortlich zeichnet, erzeugt in Verbindung mit dem heterogenen Klangmaterial und dem live modifizierten Video von Netia Jones einen Zustand konstanter Überforderung, aber auch ein Gefühl des faszinierten Eintauchens in überbordende, dabei minutiös aufeinander abgestimmte Sinnesreize. Im Unterschied zur Premiere blieb die szenische Komponente im Konzerthaus freilich auf ein Minimum beschränkt: Einige zwischen Podium und Decke gespannte Seile symbolisierten das Tauwerk und verschmolzen mitunter effektvoll mit den im Video eingeblendeten Schiffsausschnitten.

Was ein Konzerthaus an szenischem Aufwand nicht bieten kann, machte das Niveau der Mitwirkenden wett: Susanne Elmark, die als Crossdresserin Ishmaela überzeugte, standen mit Sängern wie Otto Katzameier oder Andrew Watts nicht minder souveräne Kollegen zur Seite, während das von Ilan Volkov mit ruhiger Hand geleitete RSO Wien der Gefahr der Intransparenz mit Präzision entgegenwirkte. Das Publikum zeigte sich - von vereinzelten Buhrufen abgesehen - begeistert.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-11-15 16:55:30
Letzte Änderung am 2018-11-15 16:59:55



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Bruno Ganz ist tot
  2. "Lucia di Lammermoor" mit hohen Tönen und niedriger Spannung
  3. "Nicht heilig im herkömmlichen Sinn"
  4. "Hausaufgaben versauen die Lust"
  5. In der Josefstadt werden "zwei Glauben raufert"
Meistkommentiert
  1. "Es war ohnehin ein Ausländer"
  2. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
  3. Unsoziale Medien
  4. "Grâce à dieu": Den Schmerz zerreden
  5. "Hohe komische Kunst"

Werbung




Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung