• vom 24.11.1998, 00:00 Uhr

Klassik/Oper

Update: 08.04.2005, 10:49 Uhr

Wiener Sängerknaben: Agnes Grossmann legt Funktion als künstlerische Leiterin zurück

Wegen "unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten"




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Agnes Grossmann hat ihre Funktion als künstlerische Leiterin der Wiener Sängerknaben zurückgelegt. Grund dafür sind "unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten" zwischen ihr und dem Vorstand des


Knabenchores, "insbesondere über das vertretbare Maß der Belastung der Buben", teilte Grossmann in einer Aussendung über ihren Anwalt am Montag mit.

Während der Vorstand der Wiener Sängerknaben das Ziel vertrete, durch Konzerterlöse aus kommerziellen Auftritten der Knaben die Institution im wesentlichen selbst zu finanzieren, bestehe Grossmann

auf einer vorwiegenden Finanzierung durch Subventionen der öffentlichen Hand, Sponsoren und Fund Raising. Die künstlerische Leiterin habe eine Reduzierung der Belastung der Kinder vor allem durch

Einschränkung der Zahl von Routineauftritten verlangt. Dazu sei ihrer Meinung nach nötig, zu den bestehenden vier Chören einen fünften (Reservechor) zu gründen. "Vor allem aber müßte verankert

werden, daß als wesentlicher und dauernder Bestandteil der Finanzierung der gesamten Institution Mittel der öffentlichen Hand und von Sponsoren angenommen werden", meinte Grossmann.

Das "an sich anerkennenswerte Bestreben" nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit müsse dort zurücktreten, "wo es auf Kosten der Kinder geht", forderte die künstlerische Leiterin. Obwohl der Sängerknaben-

Vorstand schon die Übernahme eines Teiles der Schulkosten durch die öffentliche Hand akzeptiert habe, bestehe er dennoch auf den ungekürzten Erlösen aus Auftritten, die überwiegend kommerziellen

Zwecken dienen. Darüber hinaus treffe der Vorstand gegen Grossmanns Intentionen Sparmaßnahmen, "die die Qualität der musikalischen Ausbildung wesentlich beeinträchtigen".

Seit der Übernahme der künstlerischen Leitung der Wiener Sängerknaben am 1. Jänner 1997 habe Grossmann "mit dem Vorstand vergeblich um eine Änderung des Systems im Interesse der Buben, was Rolle und

Funktion der Institution insgesamt als auch der künstlerischen Leitung betrifft, buchstäblich gerungen". "Unter den gegebenen Umständen kann ich die Verantwortung für das Wohlergehen und die

künstlerische Entwicklung der Kinder nicht mehr guten Gewissens weiter tragen. Aber vielleicht sieht die Welt in ein bis zwei Jahren anders aus", wird Grossmann in der Aussendung zitiert.

Die Chorleiterin bedauere die Situation "gerade deshalb besonders, weil es ihr mit ihrem Team in der kurzen Zeit ihrer Tätigkeit gelungen ist, die Qualität und Akzeptanz der Wiener Sängerknaben

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 1998-11-24 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 10:49:00

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