• vom 15.10.1998, 00:00 Uhr

Klassik/Oper

Update: 08.04.2005, 10:49 Uhr

Drachengasse: Trude Mally & Pepi Matauschek

Weana Musi · g'schmackig serviert




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Von Reinhold Aumaier

Man muß sie einfach mögen, die zwa vom alten Schlag: den Pepi mit seiner Harmonika und die Trude mit ihrer Stimm'. Wenn sie aus ihrem Leben erzählen, miteinander kantig schäkern wie ein altes


Ehepaar . . . und doch so liebevoll dabei zu Werke gehen wie zwei Künstler, die sich aufeinander verlassen können. Das Territorium ist schließlich nicht ihr gewohntes · der erste Hieb nicht Alt-

Ottakring. Dort, beim "Heurigen zum alten Weinstock", haben sie jeden zweiten Donnerstag im Monat ihr Heimspiel.

Man muß sie einfach schätzen, die zwei mit ihren Liedern, Märschen und Dudlern aus einer längst vergangenen Zeit . . . der guadn oidn. Selbige ist nämlich ein verflixtes Perpetuum mobile: Während von

ihr, der vergangenen, gesungen wird und erzählt, mutiert die Gegenwart schon in die nächste Partie . . . guade oide Zeit.

Man muß ihnen einfach in aller Ruhe, die man heute noch aufbringen kann, zuhören. Man sollte in der schummrigen Bar im Theater Drachengasse innerlich mitgehen und -reisen; der grandiosen Dudlerin

Trude M. auf den Leim gehen. Denn sie singt gleich zu Beginn · am Fleischmarkt, im Herzen von Wien · vom Zillertal drin . . . Später dann erklärt der Pepi mit samtweich-gefinkelter Donnerstimme den

"Wiener Charakter" . . . Dann singt die Trude ein wunderbares, kaum gehörtes Lied vom "Drunt-in-der-Lobau"-Schöpfer Heinrich Strecker, tiriliert wie ein Zeiserl, ahmt 1:1 die Frau Kuckuck nach, um

frotzelnd zu gestehen, "irgendwo" im Wienerwald an Wein entdeckt zu haben.

Man muß als Wissender um die Schätze der Wiener Musik heute, morgen oder übermorgen in die Drachengasse: zwei lebende Legenden rühren ans Herz.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 1998-10-15 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 10:49:00

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