• vom 23.09.1998, 00:00 Uhr

Klassik/Oper

Update: 08.04.2005, 10:49 Uhr

Akzent: Janicellos "Chamäleonkonzert"

Allzuviel ist äußerst ungesund




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Von Lona Chernel

Mark Janicello, der brillante Elvis-Darsteller, ist nach Wien zurückgekehrt. Mit seinem "Chamäleonkonzert", das er jetzt im Theater Akzent präsentiert. Nun, wer sich ein Konzert erwartet, wird


verblüfft sein, denn was geboten wird ist eine Show. Oder eigentlich ein Kabarett? Ein Showkabarett? Ein Konzert-Show-Kabarett? Man weiß nicht so recht, wie man diese seltsame Mischung nennen soll,

zu der Janicello im Programmheft sagt: "Mein Ziel mit diesem Projekt ist nicht nur, Musik zu singen, sondern sie auch durch Beleuchtung, Tanz und Schauspiel zu verkörpern. Kunst hat keine

Grenzen . . ."

Nun, mit dem letzten Satz hat der ausgebildete Sänger und Schauspieler, der im Laufe der vergangenen Jahre in Opern, Musicals und Sprechstücken auftrat, recht. Mit dem von ihm erdachten Programm

irrte er freilich. So simpel, so banal geht es einfach nicht. Janicello will zeigen, daß er alles kann, und die Nummer, in der er Elvis und Pavarotti mischt ("It's Now Or Never" und "O Sole Mio"),

die Gesangstechnik immer wieder blitzschnell wechselt, ist wirklich ein Vergnügen, doch ein während des Singens tanzender "Bajazzo", ein Rudolfo aus "La Bohème", der seine große Arie immer wieder

unterbricht, um seiner Partnerin · die er sich aus dem Publikum geholt hat · Regieanweisungen zu geben, das ist Unfug. Und es gibt auch noch eine ganze Menge weiterer solcher Halblustigkeiten.

Sei's wie es sei: Das Publikum unterhält sich glänzend, und so wäre dennoch alles in Ordnung? Ist es nicht. Denn was einem wirklich weh tut ist, daß hier ein hochtalentierter Mensch mit prachtvollem

Stimmaterial seine Begabungen vergeudet, allzuviel auf einmal tun will (es gibt im Programm auch Elvis-Schlager und Musical-Lieder) und dadurch nichts 100prozentig macht, seine Singstimme durch

dauernden Stil- und Technikwechsel (in der Mittellage bereits hörbar) ruiniert und sich zweifellos weit unter seinem Wert verkauft. Auch hat er sich schlampiges Phrasieren und unreines Intonieren

angewöhnt und vor allem die dauernde Benutzung des Mikrofons (bis auf eine Passage).

Mit ihm auf der Bühne zwei reizende Tänzerinnen, Michaela Kaiser und Marcella Lehner (Choreographie: Andrew Greenwood) und ein einfühlsamer Geiger: Stefano Bonvini.

Was ich mir nach diesem sehr zwiespältigen Abend wünsche? Daß Mark Janicello, die große, vielseitige Begabung, nach Ende dieser Tournee eine Pause machen möge und übt und übt und übt. Und dann würde

ich ihn gerne in einer Opernpartie, einer Musical-Rolle oder in einem Sprechstück sehen. Nur bitte: nicht alles zusammen.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 1998-09-23 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 10:49:00

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