• vom 30.10.2014, 16:35 Uhr

Klassik/Oper

Update: 30.10.2014, 16:44 Uhr

Opernkritik

Ewig lockt das Gestern




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Von Christoph Irrgeher

  • Solides Repertoire: "La Bohème" an der Staatsoper.

Wer das Ausland sehen will, muss dafür nicht unbedingt Staatsgrenzen überqueren. Die weite Welt ist längst hier, ihr Ballungszentrum: der Opernring Nummer 2. Es handelt sich dabei nicht etwa um ein Ringstraßenhotel. Deutsche, Franzosen, Russen, Asiaten, Amerikaner: Sie alle strömten am Mittwoch zu einer Staatsopern-Produktion, die mittlerweile fast so historisch anmutet wie das touristische Wien-Bild: Franco Zeffirellis "Bohème"-Regie aus dem Jahr 1963.

Dass ihr das gleiche Schicksal blühen könnte wie Zeffirellis üppiger "Aida" in Mailand - Scala-Chef Alexander Pereira hat sie jüngst, unter wüsten Verwünschungen des Regisseurs, an Kasachstan verkauft -, ist nicht nur angesichts dieses Zuspruchs abwegig. Es gibt, man darf es nicht vergessen, auch Wiener Opernfans, die sich im Fall eines Zeffirelli-Entzugs grollend bemerkbar machen dürften. Und: Es haben diese Abende tatsächlich etwas für sich. Die abgewetzte Opulenz verleiht ihnen Charme, die weiterhin gute Besetzung Klasse. Derzeit singt Dmytro Popov den Poeten Rodolfo mit herzlicher, wenn auch mitunter grober Inbrunst; Krassimira Stoyanova brilliert als todkranke Mimì, indem sie ihren überreichen Sopran schier schwerelos führt. Die übrige Sängerschaft (samt Chor) arbeitet dem Liebesdrama wacker bis beachtlich zu; Letzteres gilt vor allem für die spielfreudige Valentina Nafornita (Musetta) und Alessio Arduini als kernigen Marcello. Dirigent Dan Ettinger erweist sich als lustvoller Kantilenenauskoster, peitschtden Puccini-Klang aber mitunter etwas wüst auf. Dennoch viel Beifall - und Tränen über Mimìs Tod.

Information

Oper
La Bohème
Wiener Staatsoper
Wh.: 31. Oktober,
4. und 7. November





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Dokument erstellt am 2014-10-30 16:38:02
Letzte Änderung am 2014-10-30 16:44:11


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