• vom 22.01.2015, 17:00 Uhr

Klassik/Oper


Opernkritik

Der Charme der Reduktion




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  • Gediegenes Repertoire: "Simon Boccanegra" mit Leo Nucci an der Staatsoper.

Stille Größe: Leo Nucci als Verdis Doge.

Stille Größe: Leo Nucci als Verdis Doge.© Wiener Staatsoper/Michael Pöhn Stille Größe: Leo Nucci als Verdis Doge.© Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

(irr) Mit seinen 32 Jahren war Victor Maurel, Premierensänger von Verdis überarbeitetem "Simon Boccanegra" (1881), vergleichsweise ein Jungspund: Die Rolle des weisen Dogen ist heute nicht selten eine Spielwiese für den Herbst der Karriere. Thomas Hampson, 59, hat sich den - in seinem Gerechtigkeitssinn selbst giftresistenten - Herrscher als Paraderolle einverleibt; Plácido Domingo, mittlerweile 74, leiht ihm ebenfalls gern sein baritonal abgedunkeltes Timbre. Und nicht zu vergessen Leo Nucci. Der Mann aus Norditalien singt den Souverän schon deutlich länger, als manche Staatsopernproduktion auf dem Spielplan steht, und das will etwas heißen: 1984 stand er erstmals im Zentrum jenes Schicksalswerks, das zwar nicht zu Verdis Reißern, wohl aber reizvollsten Opern zählt.

Mit 72 tut Nucci dies nun in der Staatsopern-Regie von Peter Stein, deren sparsame Bilder ebenso elegant wie wirkungsmächtig von der Einsamkeit des Dogen künden. Zwar ist nicht zu leugnen, dass Nucci manchen Ton bereits sehr bedächtig anschleift, und er zollt dem Alter auch mit einem leichten Quantum Forciertheit Tribut. Dennoch gebietet er immer noch über ein homogenes Timbre, das er als souveräner Stilist mit einer wirkungsvollen, weil reduzierten Gestik verschmilzt.


Ferruccio Furlanetto schöpft als Fiesco klanglich aus dem Vollen: Größer als das Leben, orgelt er den grimmigen Vater mit der Kraft eines Super-Komtur. Der Rest agiert leider etwas unausgewogen. Dem profunden Dan Paul Dumitrescu (Pietro) stehen mit Alfred Kim (Adorno) und Marco Caria (Paolo) zwei Sänger gegenüber, die ihr Kapital vor allem aus versprengten Bravour-Tönen schlagen; Barbara Frittoli (Amelia) gefällt eher im klangberuhigten Moment.

Und Dirigent Philippe Auguin? Ihm gelingt im Vorspiel zum ersten Akt ein charmantes Pendant zur reduzierten Stein-Optik; ansonsten manövriert er das solide Orchester verlässlich durch den Abend - warmer Applaus.

Oper

Simon Boccanegra

Wh.: 25., 29. Jänner; 1. Februar




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Dokument erstellt am 2015-01-22 17:05:06


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