• vom 07.04.2015, 16:38 Uhr

Klassik/Oper

Update: 07.04.2015, 22:28 Uhr

Opernkritik

Eine seltene Distinktion




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Von Christoph Irrgeher

  • Elina Garanča adelt den Repertoire-"Rosenkavalier" der Staatsoper.

Eine Liga für sich: Elina Garanča als Octavian.

Eine Liga für sich: Elina Garanča als Octavian.© Staatsoper/Pöhn Eine Liga für sich: Elina Garanča als Octavian.© Staatsoper/Pöhn

Je tiefer man ins Weltall blickt, desto weiter sieht man in die Vergangenheit. Quasare, Nebel, Supernovae: Jahrhundertelang reist ihr Licht, bevor es die modernen Teleskope einfangen.

Um in die Vergangenheit der Wiener Staatsoper zu blicken, sind solche Gerätschaften dagegen unnötig. Das Haus wuchtet noch heute Produktions-Urgesteine wie die "Tosca" von 1958 und den "Rosenkavalier" von 1968 auf die Bühne - insofern ist die Staatsoper zugleich das Raum gewordene Langzeitgedächtnis ihrer Fans. Und bitte, nichts Böses gegen die alten Produktionen. Im matten Licht jener Regiearbeiten, die das Haus in jüngster Zeit herausgebracht hat, kann man nicht anders, als etwa dem "Rosenkavalier" noch ein möglichst biblisches Leben zu wünschen. Mag er auch schrecklich alt aussehen: Sagen wir trotzdem ja zu all den Reifröcken, Dreispitzen, Perücken, Portalen.

Information

Oper
Der Rosenkavalier
Wh.: 9. und 12. April


Umso attraktiver ist dieses Altwarenlager natürlich, wenn Elina Garanča darin wieder einmal auftaucht. Die 38-Jährige singt den Octavian immer noch mit jener Rückhaltlosigkeit, die einem verliebten Jungspund eignet. Ein Ungestüm, das Garančas Schönklang zudem nie in Gefahr bringt, sondern vielmehr befeuert und noch intensiver lodern lässt. Eine seltene Distinktion, um es mit dem Ochs auf Lerchenau zu sagen.

Der fand in Wolfgang Bankl eine bewährte Verkörperung: Trotz kleiner Defizite im tiefen Register wandelt da einer gekonnt täppisch auf dem schmalen Grat zwischen Wiener Schmäh und Klangkultur. Martina Serafin steigert ihre anfangs hochsubtile Marschallin zuletzt ins Mächtige, Erin Morley liefert ein passables Debüt als Sophie. Und während sich das Gros des Ensembles achtbar schlägt, leistet Ádám Fischer am Pult weitgehend gute Dienste: Zwar stört er die Kreise des - gern auch einmal autark schwelgenden - Orchesters beim großen Walzer, animiert die Musiker aber zu rhythmischer Prägnanz und Pep.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-04-07 16:41:07
Letzte Änderung am 2015-04-07 22:28:14



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