• vom 22.07.2016, 12:07 Uhr

Klassik/Oper

Update: 22.07.2016, 16:17 Uhr

Festival Rossini

Wo schon der Schwan von Pesaro im Schwarzwald kurte




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Von Oliver Schneider

  • Margarita Gritskova in der Titelpartie von Sigismondo bei Rossini in Wildbad 2016.

Wie zu Rossinis Zeiten ist es auch in Bad Wildbad zum Glück nicht mehr, aber einen verträumten Eindruck macht der Kurort im Nordschwarzwald immer noch. Nicht so jedoch das seit 1989 bestehende Festival Rossini in Wildbad, das sich längst als ernsthafte Konkurrenz zum renommierteren Pendant in Pesaro etabliert hat. Heuer stehen fünf szenische, halbszenische und konzertante Opernproduktionen von Rossini und erstmals Bellini auf dem Festivalprogramm.

Kleiner besetzte Werke werden im aufwändig restaurierten königlichen Kurtheater gespielt, für die grösseren Opern steht die im Kurpark gegenüber liegende Trinkhalle zur Verfügung, die vor allem für reine Instrumentalmusik eine ausgezeichnete Akustik bietet. Das durfte man am Donnerstagabend bei der Premiere von Rossinis Sigismondo mit der Ouvertüre erleben. Rossini komponierte das Werk 1813 und war schon mit Tancredi, L’Italiana in Algeri und Il Turco in Italia erfolgreich gewesen. Sigismondo war allerdings von Anfang kein Erfolg beschieden. Nicht unverständlich bei dem Libretto: Der polnische König Sigismondo hat seine Frau Aldimira wegen angeblicher Untreue zum Tode verurteilt. Seine Reue treibt ihn fast in den Wahnsinn. Doch zum Glück wurde sie vor dem Henker gerettet, sodass das Paar nach diversen Verwicklungen wieder zusammen findet.

Festivalleiter Jochen Schönleber hat den Abend in Szene gesetzt. Spiegelnde Wände, eine schwarze Ledercouchgarnitur, viel ist auf der kleinen Bühne ohnehin nicht möglich. Schönlebers Protagonisten leben ihre Gefühle und Aversionen als unsere Zeitgenossen aus, was die Distanz zwischen Bühne und Zuschauer an dem intimen Spielort noch zusätzlich reduziert.

Margarita Gritskova, Ensemblemitglied der Staatsoper und ab 16. August wieder der Cherubino in Mozarts Figaro in Salzburg, ist als Sigismondo das musikalische Zentrum der Aufführung. Für einmal darf man erleben, wie gross der Stimmumfang der jungen Russin ist und vor allem wie substanzreich ihre Tiefe ist. Sie weiss mit ihrer flexiblen Stimme, die sie im richtigen Moment zurücknehmen kann, und blitzblanken Koloraturen für sich einzunehmen. Auf sie hat Schönleber, der mittlerweile seit 25 Jahren im deutschen Rossini-Mekka wirkt, seine Personenführung fokussiert; wie Sigismondo von seinem schlechten Gewissen gequält zu einem gebrochenen Mann wird.

Die verstossene Aldimira (Maria Aleida mit leicht ansprechendem, etwas soubrettenhaftem und farbenarmem Koloratursopran) überlebt beim weisen Zenovito im Wald (mit aristokratischem Bass Marcell Bakonyi). Bakonyi schlüpft im zweiten Akt in die Rolle von Aldimiras Vater Ulderico, den ungarischen König, der gegen Sigismondo aus Rache für den vermeintlichen Tod seiner Tochter in den Krieg zieht. Kenneth Tarver schliesslich gibt den Gegenspieler Sigismondos, seinen Minister Ladislao, der aus eigener Begierde von Aldimira die ganze Intrige ins Rollen gebracht hat. Tarver überzeugt mit dem freien und offenen Klang seines virilen Rossini-Tenors, sicheren Koloraturen und Spitzen.

Antonino Fogliani, musikalischer Leiter des Festivals, und die Virtuosi Brunenses begleiten die Solisten und den etwas zu massiven Herrenchor spritzig und lebhaft auf der Grundlage der kritischen Ausgabe von Paolo Pinamonti.





Schlagwörter

Festival Rossini, Oper

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Dokument erstellt am 2016-07-22 12:11:02
Letzte ńnderung am 2016-07-22 16:17:51



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