• vom 04.08.2016, 17:00 Uhr

Klassik/Oper

Update: 19.07.2017, 11:55 Uhr

Salzburger Festspiele

Hüpfen, springen, totentanzen




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Von Reinhard Kriechbaum


    Lamentiert wird in der Barockmusik nicht wenig: zum Beispiel aus Liebeskummer. Aber wenn’s ans Sterben ging, gab man sich fröhlich - in der Gewissheit auf eine bessere Welt. Am Mittwoch lamentierte und frohlockte bei den Salzburger Festspielen Countertenor Bejun Mehta bei einem Kantaten-Programm. "Ich freue mich auf meinen Tod" - ein fröhliches Tändeln im Sechsachteltakt hat sich Bach in der Kantate "Ich habe genug" für die heute befremdlich anmutende Einstellung zum Lebensende ausgedacht. Mehta hat das so gefasst, dass man es so auf einen Nenner bringen könnte: hüpfen, springen, totentanzen.

    Er weiß um das Besondere seiner Stimme. Sie ist in den Lagen jeweils charakteristisch gefärbt, die Tiefe wirkt viril, die höchsten Töne können so glockenhell-luzid angesetzt sein, dass sie wie von draußen hereinzuwehen scheinen. Wo andere sich bemühen, Klangfarbe von unten bis ganz oben ebenmäßig durchzuziehen, spielt er mit Kontrasten, lotet Grenzen aus. Manieriertheit ist dabei immer Thema, aber selbst außergewöhnliche Lösungen sind auf den Text zurückgebunden. Was Mehta so nebenbei an improvisierten Melodieauszierungen liefert, macht Staunen. Im englischen Originalklangensemble La Nuova Musica hatte Bejun Mehta gediegene Mitstreiter: Wie viel nicht in den Noten stehenden Zierrat hat die Oboe eingebracht! Das Klangrednerische und die Spieldisziplin des Kammerorchesters entspricht heutigem Standard. David Bates, der die Gruppe vom Tasteninstrument (Cembalo oder Orgel) aus leitet, bringt in die Interaktion mit dem Sänger viel eigenständige Gestaltung ein.

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    Konzert
    Bejun Mehta
    David Bates (Dirigat)





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2016-08-04 17:05:05
    Letzte nderung am 2017-07-19 11:55:13



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