• vom 20.10.2016, 15:57 Uhr

Klassik/Oper


Jubiläum

Hering grüßt Milchzahn




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Ein Familienfestkonzert für Iván Eröd im Musikverein.

(irr) Wer die Eröds eine Familie nennt, könnte Australien ebenso gut als Insel bezeichnen: Es handelt sich hier um den wohl einzigen Verwandtschaftsverband des Landes, der in Orchesterstärke musizieren kann, und das auf Niveau. So bewiesen am Mittwoch bei einem Festkonzert zu Ehren des 80-jährigen Iván Eröd im Gläsernen Saal des Musikvereins: An sich kammermusikalisch geprägt, formierte sich zuletzt die Eröd’sche Familienphilharmonie für den Jubilar, der mit fünf Kindern gesegnet ist, etlichen Enkelkindern und (bis jetzt) einem Urenkerl.

Dieser Iván Eröd, schon zu Jahresbeginn im Großen Musikvereinssaal gefeiert, hat im Laufe seines Lebens aber nicht nur Musiker wie den Bariton Adrian Eröd oder Dirigent Raphael Schluesselberg in die Welt gesetzt, sondern auch etliche "geistige Kinder": Als Jung-Tonsetzer und Ungarn-Flüchtling 1956 nach Wien gekommen, schloss er sein Kompositionsstudium beim Zwölfton-Kenner Karl Schiske ab. Das zog einige spröde Klavierstücke nach sich, die Janna Polyzoides zu Beginn des Abends in die Tasten setzt. Wie die launigen Moderatorinnen (Tochter Juliette und Enkelin Fabiola) erklären, sollte sich das Blatt aber schon mit der Oper "Die Seidenraupen" (1968) wandeln: Eröds drei Bs heißen Bach, Bartók und Beatles - bewiesen etwa in der Sonate für Geige und Klavier, die sich in ihrer vitalen Direktheit freimacht von den hermetischen Moden der Neutöner.


Zuvorderst auf Melodie eingestellt, sind es aber doch oft raffinierte Harmonieverläufe und motorische Figuren, die dieser tonalen Musik Reiz verleihen: zu hören etwa in den "Milchzahnliedern" (gesungen von Natalie Dluhos) oder der "Heringshochzeit" (Adrian Eröd und Monica Theiss-Eröd). Dass dem Tonsetzer mit "Pünktchen und Anton" (2009) ein später Geniestreich geglückt ist, kehrt zuletzt der ganze Familienverband hervor. Ad multos annos, dem Künstler und seinem Werk.




Schlagwörter

Jubiläum, Ivan Eröd

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2016-10-20 16:02:02


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ein "Ring" fängt Feuer
  2. Berühmt & Berüchtigt
  3. "Die Bedingungen sind haarsträubend"
  4. Salzburger Mozartwoche eröffnet mit szenischem Spektakel
  5. Der Einflussreiche
Meistkommentiert
  1. "Selbstbewusst einen lauten Schas lassen"
  2. Roman unter Wahrheitspflicht
  3. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
  4. Betreutes Leben: Marie Kondos Aufräumhilfe auf Netflix
  5. Mehr Service bei gleichen Kosten

Werbung




Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913


Werbung