• vom 04.01.2017, 21:24 Uhr

Klassik/Oper

Update: 05.01.2017, 07:34 Uhr

Todesfall

Georges Prêtre ist tot









  • Französischer Star-Dirigent mit Wiener Standbein verstarb 92-jährig in seiner Heimat.

Georges Pretre beim umjubelten Neujahrskonzert 2010 im Wiener Musikverein.

Georges Pretre beim umjubelten Neujahrskonzert 2010 im Wiener Musikverein.© apa/Georg Hochmuth Georges Pretre beim umjubelten Neujahrskonzert 2010 im Wiener Musikverein.© apa/Georg Hochmuth

Wien. Georges Prêtre, einer der Großen der Dirigentenriege, ist tot. Der französische Maestro verstarb am Mittwochnachmittag in seiner Heimat Frankreich im Alter von 92 Jahren. Geboren am 14. August 1924 im nordfranzösischen Waziers, zählte Pretre zu den führenden Orchesterleitern der Welt, der mit allen renommierten Klangkörpern zusammenarbeitete und in den Opernhäusern der Welt ein- und ausging. Nicht zuletzt Wien war der Dirigent eng verbunden, fungierte er doch zwischen 1986 und 1991 als "Erster Gastdirigent" der Wiener Symphoniker. Die Wiener Philharmoniker ließen dem sympathischen Orchesterleiter gleich zweimal die Ehre zuteilwerden, das Neujahrskonzert zu dirigieren. 2008 und 2010 führte Prêtre im Musikverein durch den Neujahrsvormittag - als bis dato ältester Dirigent des Klassikevents.

Dabei sah der Berufswunsch des jungen Georges Prêtre einst anders aus, wollte er doch eigentlich Jazzpianist und -trompeter werden. Am Pariser Konservatorium studierte er anfänglich im Fach Trompete, ehe er sich mit Orchesterleitung beschäftigte. Dann jedoch ging es Schlag auf Schlag. Als 22-Jähriger debütierte er 1946 an der Oper von Marseille und kam über Lille, Casablanca und Toulouse 1956 an die Pariser Opera Comique.

1960 wurde er als ständiger Dirigent an die Pariser Oper verpflichtet und als Gastdirigent an die großen Häuser gerufen: 1958 Chicago, 1961 Covent Garden, 1964 an die Metropolitan Opera und 1965 an die Scala. Herbert von Karajan holte ihn 1962 schließlich an die Wiener Staatsoper, wo er in Summe 36 Mal im Graben stand. Im gleichen Jahr wurde Prêtre auch zum stellvertretenden Leiter des Royal Philharmonic Orchestras ernannt. Die Position als Musikdirektor der Pariser Oper legte er 1971 bereits nach einem Jahr wieder zurück.

Maria Callas und der Komponist Francis Poulenc, dessen Oper "La Voix Humaine" unter seiner Leitung uraufgeführt wurde, betrachteten ihn als ihren bevorzugten Dirigenten, was auch in seiner umfassenden Diskografie Niederschlag gefunden hat. Ab 2002 arbeitete er regelmäßig mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden zusammen. Zugleich kehrte er aber immer wieder zu seinen bevorzugten Klangkörpern zurück, darunter die Academia di Santa Cecilia in Rom, das Orchester des Maggio Musicale Fiorentino, das Orchester der Mailänder Scala oder eben die Wiener Symphoniker und Philharmoniker.

Vor allem die Wiener Symphoniker haben mit ihm eine Reihe erfolgreicher internationaler Gastspielreisen absolviert. Aber auch als Dirigent philharmonischer Abonnementkonzerte setzte der energiegeladene französische Meister Akzente im österreichischen Musikleben - neben Wien auch bei den Festspielen in Bregenz und Salzburg. Allein im Wiener Musikverein stand Georges Prêtre 177 Mal am Pult und war Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde, weshalb das Haus zu seinen Ehren am Mittwoch schwarz beflaggte.

Seit 2004 trug er den Titel des Kommandeur der Französischen Ehrenlegion. 1996 wurde er mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich geehrt und trug seit 2004 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.





Schlagwörter

Todesfall, Georges Prêtre

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-01-04 21:29:05
Letzte Änderung am 2017-01-05 07:34:59


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