• vom 15.06.2017, 16:33 Uhr

Klassik/Oper

Update: 15.06.2017, 17:37 Uhr

Konzertkritik

Boulez-Bezüge, ehrfurchtsvoll und ikonoklastisch




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Von Lena Dražić


    Im vorletzten Konzert der Boulez-Reihe präsentierte das Ensemble Phace mit "Le Marteau sans maître" eines der Hauptwerke des Tonsetzers. Doch begnügte sich das von Simeon Pironkoff geleitete Ensemble nicht mit einer Wiedergabe, sondern beauftragte acht Komponistinnen und Komponisten mit Miniaturen, die zwischen den neun Teilen des "Marteau" erklangen.

    Wie funktioniert der Dialog zwischen jener so fernen Avantgarde und unserer so retrospektiven Gegenwart? Er begann an dem Abend mit dem vergeblichen Wunsch der Rezensentin, Boulez‘ Werk in- und auswendig zu kennen, um die Musik nicht nur gleich richtig zuzuordnen, sondern auch die Boulez-Bezüge der Uraufführungen zu entschlüsseln. Im Laufe einer intensiven Stunde wurde klarer, wie sich die Neukompositionen von der kristallinen Fremdheit des "Marteau" absetzten.

    1945 fertiggestellt, wirkt das Werk in der Abwesenheit traditioneller Bezüge im Wortsinn "gelöst" und in seiner selbstgenügsamen Ordnung beinahe ornamental. Manche Antworten fielen ironisch aus, so Gerhard E. Winklers "Boulez-Samba", Helmut Oehrings "Marteau [buˈlɛz]" oder "Make him talk!" von Iris ter Schiphorst, die den Meister selbst mit der Aussage, man solle die Musik vergangener Jahrhunderte ruhen lassen, den Abend (selbst-)ironisch kommentieren ließ. Die dominante Klanglichkeit sprengten Alessandro Batticcis geräuschlastiges "L’Artisanat furieux" und Alexandra Karastoyanova-Hermentins eruptives "Letrei". Beim Schlussapplaus beeindruckte die Menge von Komponisten am Podium, so divers wie unser ikonoklastisches und ehrfurchtsvolles Verhältnis zur Vergangenheit.

    Konzert

    Phace

    Konzerthaus, Berio-Saal





    Schlagwörter

    Konzertkritik, Konzerthaus

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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2017-06-15 16:38:26
    Letzte nderung am 2017-06-15 17:37:04



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