• vom 07.09.2017, 16:39 Uhr

Klassik/Oper

Update: 07.09.2017, 17:06 Uhr

Musikfestival

Eine goldene Blüte im Rosenkrieg




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Von Christoph Irrgeher

  • Das neue Festival "Herbstgold" begann verheißungsvoll auf Schloss Esterházy.

Es ist kein Fehler, wenn ein Festival sein Publikum fordert. Passiert dies aber schon bei der Anreise, liegt etwas im Argen. So geschehen beim Besucher-Shuttledienst der neuen Eisenstädter Konzertreihe "Herbstgold". Nichtmotorisierte Klassikfans hätten in "Wien Erdberg", wie es auf der Website wolkig hieß, ein reserviertes Gefährt finden sollen. Am Busbahnhof - gefühltermaßen so groß, aber nicht so glamourös wie das Fürstentum Liechtenstein - waren präzise Standortangaben aber nicht zu erhaschen (Information vom Schalter: "Vorn an der Straße"). Erst mithilfe eines Telefonjokers ließ sich ein dezenter Minibus aufspüren - unauffällig auch darum, weil darauf weder das Wort "Eisenstadt" noch "Herbstgold" prangte.

Kurz, es ist hier noch nicht alles Gold, was glänzen will. In Eisenstadt angekommen, nimmt sich die burgenländische Kultur-Novität dann aber deutlich glamouröser aus: Immerhin residiert "Herbstgold" im prächtigen Haydnsaal auf Schloss Esterházy. Wobei - neu ist ein Festival hier natürlich nicht. Fast 30 Jahre bespielten die "Internationalen Haydntage" die barocke Wirkungsstätte ihres Namenspatrons. Bis dies dem Schlossbesitzer nicht mehr konvenierte.

Information

Konzert
Haydn Philharmonie
Nicolas Altstaedt (Dirigent)

Clevere Besetzung lädt Meisterwerke energisch auf

Die Esterházy-Stiftung verlängerte den Mietvertrag nicht, und sie tritt hier seit Mittwoch selbst als Veranstalter auf. Konsequenz für die vertriebenen Haydntage: Sie mussten heuer erstmalsin einer Diaspora an diversen Orten stattfinden. Dass sie sich als "Kollateralschaden" fühlen, hat seinen Grund. Seit einem alten Gerichtsstreit liegt Esterházy an mehreren Fronten im Clinch mit der Landesregierung - und die ist wiederum Geldgeber der Haydntage. Oder Haydnlandtage, wie sie nun heißen.

Auf Schloss Esterházy bringt der Rosenkrieg nun jedenfalls eine goldene Blüte hervor, dem ersten Konzert nach zu urteilen. Grundlage ist eine clevere Besetzung: Die vertraute Haydn Philharmonie gibt in verjüngter Form das Residenzorchester; Chef ist Nicolas Altstaedt, ein Cellovirtuose und auch als Ensembleleiter ein Feuerkopf. Sieht seine Signalgebung auch wie eine Fusion aus Dirigieren und Schattenboxen aus: Haydns G-Dur-Symphonie Nr. 88 entwickelt einen fiebrigen Originalklang-Tonfall, Beethovens Erste gerät zum fein pulsierenden Kraftort, und die vertrackte Rhythmik von Schostakowitschs Erstem Cellokonzert schnurrt praktisch ohne Dirigent ab, was die Faszination des dunkelhumorigen Werks noch steigert. Das Festival läuft, unter Beimischung einiger Jazz- und Weltmusiktöne, bis zum 16. September.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-07 16:45:08
Letzte Änderung am 2017-09-07 17:06:18


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