• vom 14.11.2017, 17:07 Uhr

Klassik/Oper

Update: 14.11.2017, 17:59 Uhr

Konzertkritik

Ein Quirl brät quer




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Das Alban Berg Ensemble im Wiener Musikverein.

(irr) Zumindest am Zeitmanagement können sie noch arbeiten: An sich hätte das Konzert des Alban Berg Ensembles im Musikverein um 21.30 Uhr vorbei sein sollen; tatsächlich schwelgte die Kammer-Formation noch eine halbe Stunde später in üppiger Notenfülle - nach klassischen Event-Verhältnissen also bis in die Puppen.

Doch kein Problem: gab es eben mehr Musik fürs gleiche Geld. Und bei den Bergs, diesem aufgestockten und radikal umbenannten Folgeprojekt des Hugo Wolf Quartetts (nun plus Flöte, Klavier, Klarinette), kann man weder über die Qualität noch über die Programmwahl motschkern. Am Montag setzte es eine Mozart-Symphonie in Minibesetzung, einen Brocken Heutiges, drei Stückchen Kammerjazz und zum Kehraus 20er-Jahre-Moderne: Was die stiloffenen Sieben in ihrem Abo anbieten, könnte einem Festivalchef nicht besser einfallen.

Information

Konzert

Alban Berg Ensemble Wien
Musikverein, Brahms-Saal

Fast schon das Beste zu Beginn: Nach einer kleinen Aufwärmphase nimmt der Kopfsatz der "Prager Symphonie" delikat Fahrt auf. Ein musikantischer Schwung speist diese Interpretation, dennoch dringt sie bis in die Kapillargefäße der Musik. Was für ein Kontrast zu den Klangbrocken von Michael Hersch: Seine "Variationen über ein Thema von Hugo Wolf" urassen vor allem mit Schreckfarben; die Stücke von Kenny Wheeler danach, irgendwo zwischen Filmmusik und Third-Stream-Jazz angesiedelt, sind mit Lorenz Raab an der Trompete eine Labsal. Als Rausschmeißer die skurrile "Küchenrevue" von Bohuslav Martinů: Ein querbratender Quirl wirbelt in diesem Ballett die Liebesbeziehung eines Topfs mit einem Deckel auf, musikalisch brodelt dazu ein Eintopf aus Charleston, Tango und Neoklassik - ein Spaß, bis zur letzten Note ausgekostet.





Schlagwörter

Konzertkritik, Musikverein

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-14 17:11:15
Letzte Änderung am 2017-11-14 17:59:09


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Netflix kann auch Kino-Magie
  2. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  3. Sonderausgabe für Herbert Kickl
  4. Die 30er sind zurück
  5. Eine wunderbare Reise zu den Ursprüngen von Jethro Tull
Meistkommentiert
  1. Gefährliche Predigten
  2. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  3. "Kurz bringt die Rechtsextremen in den Mainstream"
  4. "Die Weißwurst muss dir freundlich gesinnt sein"
  5. Karger "Don Carlos" in der Kammeroper

Werbung




Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker.

Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk. Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung